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Vermisst: Politik hat versagt

Gestern habe ich auf #Bild plus, der Online-Bild, einen Gastkommentar zur Situation der Angehörigen von Vermissten veröffentlicht. Dabei habe ich der #Politik, also den Parteien, Politikern und Behörden ein miserables Zeugnis ausgestellt: Für Innenminister von Bund und Ländern und für alle deutschen Polizeipräsidenten eine 6minus.
Denn niemand kümmert sich – seit Kriegsende! – um die Angehörigen von Vermissten und deren Probleme. Hier gibt es den kompletten Kommentar bei Bild plus im Internet. Hier ein Auszug meines Kommentars zum #Vermisst Skandal:

Mein Kommentar in Bild plus

„Deutschland politische Führungsriegen in Bund, Ländern und Kommunen haben versagt. Seit Jahrzehnten ignorieren und verschweigen sie die Probleme der Angehörigen von vermissten Menschen. Betroffen sind jedes Jahr immerhin  500.000 Angehörige von 100.000 bei der Polizei registrierten Vermissten.

Ein unbeschreiblicher Opfer-GAU, also die größte anzunehmende Katastrophe in der Betreuung von Betroffenen, wenn man auf zurückblickt: Das sind mehr als 30 Millionen Angehörige seit Kriegsende, die man allein gelassen hat in ihrem oft unbeschreiblichen Elend!

Politiker stellen sich blind

Denn Bundesinnenminister, Länder-Innenminister und Polizeipräsidenten stellen sich seit Generationen blind. Sie wissen ganz genau, wo dem Heer der Betroffenen der Schuh drückt: Wenn ein Mensch verschwindet, befinden sich die Angehörigen von einer Stunde zur anderen in einem wirtschaftlichen, organisatorischen und seelischen Chaos. Allein mit der Ungewissheit fertig zu werden, ob der geliebte, verschwundene Mensch noch lebt oder bereits tot ist, führt Angehörige oft in die Selbstzerstörungszone menschlichen Denkens und Fühlens.

Ich fordere schon seit 25 Jahren, also seitdem ich ehrenamtlich Angehörige berate und über das Thema in Büchern schreibe:

Das muss endlich getan werden:

1. Wir brauchen Beratungsstellen in den Rathäusern der Gemeinden, damit dort Angehörige Unterstützung finden – die gibt es bis heute nicht in einer einzigen Stadt.

2. Wir benötigen kompetente Informationen, am besten eine Vermisstbroschüre in den Polizeiwachen, wo Vermisste registriert werden.

3. Wir brauchen einen nationalen, am besten vom Bundesinnenminister und dem Kollegen Familienminister initiierten Internetauftritt u.a. mit Angeboten der Hilfe zur Selbsthilfe und schließlich

4. müssen die Psychologen unter Deutschlands Uniprofessoren endlich ihren Hintern bewegen und auch ohne Fördermittel hier wissenschaftliche Basisforschung leisten. Die Angehörigen brauchen eine Chance auf fundierte psychologische Unterstützung.

Zahlenblendwerk statt Hilfe

Anstatt zu helfen oder auch nur Unterstützung anzumahnen, hat das Bundeskriminalamt seit Jahren die Statistik geschönt: Früher sprach man in der jährlichen „BKA-Kriminalstatistik“ von 70.000 Vermissten, nach der Wende stieg die Zahl auf rund 100.000 Vermisste jährlich. Doch seit Jahren hat man die Vermissten aus der Statistik gestrichen und redet der Öffentlichkeit ein, es gäbe „aktuell“ nur 8000 Vermisste.

Zahlenblendwerk statt zupackende Hilfe. Wer in Deutschland keine Lobby hat wie etwa Pharma- oder Autoindustrie, deren hochbezahltes Personal den Politikern und Beamten in den Ministerien quasi permanent auf den Schoß sitzt, wird von Politik und Behörden im Elend alleingelassen.“

PS

Trotzdem am Sonntag auf keinen Fall AfD wählen. Mit dieser Partei ändert sich für Randgruppen und sozial Benachteilgte nichts. Diese rechtsextremen Hetzer wollen unsere Gesellschaft nur ins Chaos stürzen.

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