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Schamonis 50. und der Mauerfall

Immer wieder sind ja ganz persönliche Ereignisse eines Menschen mit der Weltgeschichte verknüpft. So auch bei Ulrich Schamoni, dem Regisseur von Kinofilmen wie „Es“, „Chapeaus Claque“ oder „Alle Jahre wieder“. 

Am 9. November wäre der in Münster geborene und 1998 in Berlin verstorbene Schamoni 80 Jahre alt geworden. Das ist auch der Tag des Mauerfalls.

Mauerfall vor 30 Jahren

Ich bin in dieser Woche in Berlin  und  Gast im Haus seiner Ehefrau Erika Grimme-Schamoni.. Die Schamonis und ich sind seit Jahrzehnten befreundet.

An diesem 9. November im Jahre 2019 erinnern sich Deutschland und die Welt an den Fall der Mauer vor 30 Jahren. Und die Familie Schamoni an den verstorbenen Ulrich.

Biotop der Frechheit

Im Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums in Berlin startet an diesem Freitag (vom 8. November bis 15. Dezember 2019) eine Retrospektive mit allen Filmen von Schamoni.

Die Tageszeitung „taz“ veröffentlichte gerade eine begeisterte Hymne auf den Regisseur: „Die Filme des deutschen Regisseurs Ulrich Schamoni sind fast vergessene Meisterwerke des Neuen Deutschen Films.“

Schamoni und der Neue Deutsche Film

Damit korrigiert taz-Autor Thomas Groh auch viele andere Filmjournalisten, die bei der Betrachtung des Neuen Deutschen Films einen seiner wichtigsten Vertreter, nämlich Ulrich Schamoni, gerne einmal vergessen – und nur Schlöndorff, Kluge, Reitz, Fassbinder, Herzog und Wenders erwähnen.

Wer also zufällig in den nächsten Wochen nach Berlin kommt, sollte es sich nicht entgehen lassen, sich einen dieser Filme anzusehen. Der Programmname „Biotop der Frechheit“ stammt übrigens aus einem Nachruf von Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff aus der Süddeutschen Zeitung.

Mauerfall zum Geburtstag

Bei einem Essen erzählt mir Erika Grimme-Schamoni, was den Fall der weltberühmten Mauer in Berlin mit dem Geburtstag von Ulrich Schamoni verbindet. An diesem 9. November vor 30 Jahren fiel die Mauer – und Schamoni feierte in großem Kreis mit 1000 Gästen in Berlin seinen 50. Geburtstag. 

Erika Grimme-Schamoni mit Ehemann Ulrich

Schamoni war zu dieser Zeit nicht nur ein weit über Deutschland berühmter Regisseur, sondern auch der Gründer und Chef des Radiosenders 100,6. Dessen Informationen waren damals nicht nur für die  Menschen in Berlin, sondern vor allem auch für diejenigen in der DDR sehr wichtig. 

Max Raabes Geburtstagsständchen

Für die DDR-Bürger war 100,6 die Stimme der Welt. Während der Geburtstagsfeier von Schamoni fiel die Mauer. Günter Schabowski, Mitglied im Zentralkomitee der SED, verkündete in einer Pressekonferenz die Öffnung der DDR-Grenze für die Ostdeutschen.

Geburtstagsständchen: Max Raabe

Davon bekamen allerdings nur wenige Menschen auf der Feier von Ulrich Schamoni etwas mit. Reden wurden gehalten. Von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Schütz, von Komiker und Sänger Karl Dall und dem 100,6-Chefredakteur Georg Gafron. Max Raabe sang ein  Geburtstagsständchen. Schamoni-Ehefrau Erika sang nach eigenem Text den Johnny Gitar-Song „Uli Big Man“. 

MdB verschwieg den Mauerfall

Der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Wohlrabe, hielt ebenfalls eine Rede. Als er von der Bühne kam, entspann sich folgender Dialog zwischen ihm und Erika Grimme-Schamoni. 

Wohlrabe: Gerade ist die Mauer gefallen.

Grimme-Schamoni: Warum hast du das den Leuten denn nicht in deiner Rede erzählt?

Wohlrabe: Dann wäre eure Feier jetzt zu Ende. Die Leute wären doch alle zur Mauer gerannt.

Keine Ahnung vom Mauerfall

So ging also die Party zum 50. von Schamoni fröhlich weiter, während draußen die Welt und die friedlichen Revolutionäre aus Deutschlands Osten Geschichte schrieben. Erst zu später Stunde betraten gemeinsam mit der Sängerin Helga Hannemann die ersten „Ossis“ die Bühne. Sie sang “ Hundertmal hab’ ich Berlin verflucht…“.

Gäste von Schamoni waren auch die Chefs der Alliierten Besatzungsmächte. Engländer, Amerikaner und Franzosen. Auch diese Gäste ahnten zunächst nichts vom Mauerfall. 

Generäle am Autotelefon

Ulrich Schamoni verriet den Generälen allerdings, was gerade wenige Kilometer entfernt passierte. Seine Gäste begaben sich daraufhin an ihre Autotelefone, um sich über die Weltlage und die politische Situation in Berlin zu informieren.

Erst nach der Party machten sich Erika und Ulrich Schamoni früh am Morgen mit engsten Freunden auf dem Weg zur berühmten Mauer. Jeder wollte ja bei diesem Weltereignis dabei sein. 

Die Schamonis feierten drei Tage

Drei Tage lang feierten die Schamonis die Wiedervereinigung Deutschlands. Vor allem auch mit vielen Besuchern aus Ostdeutschland. Jeden Tag reisten mehr und mehr DDR-Bürger*innen mit ihren Trabbis in den Westen.

So ist der 50. Geburtstag von Ulrich Schamoni unzertrennlich mit dem Fall der Mauer verbunden. Wann immer die Welt an den Mauerfall und die Wiedervereinigung der Deutschen denkt, erinnern sich Familie und Freunde an das bewegte Leben und den 50. Geburtstag eines großen Regisseurs.

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(Zeitgleich veröffentlicht in meinem Freitags-Blog „Auf einen Cappuccino“ im Wirtschaftsportal Business-on.de

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