Zum Inhalt springen

Prüss‘ und Heines Katzenjammer

In Düsseldorf spürt man ja selten etwas vom großen Geist des Dichters Heinrich Heine. Eher geht es da um Fortuna, Kö und Schwarzbrotwalnussstangen von Bäcker Hinkel. Warum sollten die Bürger der Stadt auch ständig Heine im Kopf haben, wo doch im Juli nächsten Jahres Helene Fischer in der Stadt gastiert.

Doch in der kommenden Woche kommt nun niemand am großen Sohn der kleinen Stadt am Rhein vorbei. Erstens hat der Mann am 13. Dezember Geburtstag. Zweitens gibt es am 16. Dezember die vierte große Heine-Nacht auf der Bilker Straße. Und drittens liest der Düsseldorfer Schriftsteller Jens Prüss an diesem Abend aus seinem neuen Buch „Heines Katzenjammer“.

Premierenlesung mit Prüss

Der Autor von „Heines Katzenjammer. Ein Nachtstück“, im Düsseldorfer Droste Verlag veröffentlicht, verspricht mit so einem Titel natürlich viel. Das Institut français, Bilker Straße 9, hat Prüss für 20 Uhr ein Tischlein reserviert. „Lasst uns die Franzosen preisen!“ heißt die „Premierenlesung“.

Bei den Recherchen zu seinem Buch hat es sich Jens Prüss auf dem Pariser Friedhof am Montmartre gemütlich gemacht. Da liegt – nicht der Hund – der Dichter begraben. Dessen Geist hat sich Prüss bemächtigt und schreibt eine Fortsetzung dessen, was der vor langer Zeit Verstorbene nicht mehr zu denken und zu schreiben in der Lage war. Im typischen feuilletonistischen Prüss-Stil, immer mit kleinen mal ironischen, mal satirischen Seitenhieben garniert.

Heines Katzenjammer amüsiert

Der Dichter (Prüss, nicht Heine) „spricht“ dabei mit seiner geliebten Hannah, der er die „Zeilen als Beweis meiner unverbrüchlichen Liebe und Treue“ sendet. Als Prüss’scher Unsterblicher vergisst Heine jede Zurückhaltung und Prüss sogar seine Katzenallergie. Er räkelt sich Seit an Seit mit einem der drolligen Tiere, die Balsam für seine Seele sind.

Wer Katzen mag, kommt ins diesem Buch auf seine Katzen – äh … Kosten. Prüss läßt auf dem Friedhof ein riesiges Katzentheater auftreten – Heines Katzenjammer amüsiert.

Wer Heine mag, erlebt hier eine phantasievolle Nachlese aus dem Jenseits. Prüss, der Ich-Erzähler, verrät, dass er beim Anblick Heinrich Heines als Chauffeur eines Rollators vor Aufregung einen ganz trockenen Mund bekommen hat: „… denn ich wusste ja, in dieser lächerlichen Hülle hauste ein großer Geist, der nur darauf wartete, mich mit beißender Ironie zu vernichten…“

Napoleon und Schäuble

Ich kann alle Besorgten beruhigen. Es geht gut aus, die Begegnung Prüss mit Heine. Die beiden reden über die Loreley, Napoleon, Schäuble und die Asylanten, den Kölner Dom und schlechten Wein und über vieles mehr.

Wer es nun gar nicht abwarten kann, mehr vom Prüss’schen „Katzenjammer“ zu erfahren, der hat am Samstag, 9. Dezember, dazu in der Galerie Amschatzhaus (Neuss-Holzheim, Hauptstraße 18) Gelegenheit. Jens Prüss liest dort ab 16 Uhr im Rahmen der Ausstellung seiner Ehefrau Edeltraud Prüss „wegwandern – Malerei, Fotografie und Skulptur“.

 

(Zeitgleich veröffentlicht in meinem Freitags-Blog „Auf einen Cappuccino“ im Wirtschaftsportal Business-on.de