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Thomas Jarzombek fährt Fahrrad

Seit knapp zwei Wochen fährt der Düsseldorfer CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek öffentlich Fahrrad. Jedes Tag postet er auf seiner Facebook-Seite und unter dem Hashtag #4B, was er mit dem Zweirad und mit öffentlichen Verkehrsmitteln erlebt. Toll, so sieht ein Vorbild aus.

Wettfahrt der Vorbilder

#4B, das bedeutet  #Bus-Bahn-Bike-Battle. Denn ursprünglich hat der CDU-Politiker Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel herausgefordert, ebenfalls aufs Fahrrad umzusteigen und mit ihm in die Pedale und in einen Wettstreit zu treten. Der OB solle weniger mit dem Auto fahren. Jarzombek: „Ich finde, er sollte mit gutem Beispiel vorangehen und mehr Bus, Bahn und das Fahrrad nutzen.“

Doch Geisel winkte ab: Der Terminplaner des OB sei in großen Teilen öffentlich, sagte seine Sprecherin Ingrid Herden gegenüber der Rheinischen Post, bei Bedarf könne er Auskunft zum jeweiligen Transportmittel geben. Zu den OB-Dialogen fahre Geisel stets mit dem ÖPNV, um Erfahrungen zur Anbindung der Viertel zu sammeln.

OB Geisel hat gekniffen

Der Oberbürgermeister hat also bei diesem weniger sportlichen, denn gesellschaftlich wichtigen Wettbewerb pro Rad gekniffen. Und damit eine Chance vertan, sich für Fahrradfahren und Bus und Bahn in Düsseldorf stark zu machen.

Derweil fährt Jarzombek munter mit seinem Fahrrad und dem öffentlichen Personennahverkehr und beweist, dass selbst vielgeschäftige Personen wie ein Bundestagsabgeordnete ohne weiteres ohne eigenes Auto gut zurechtkommen können. Man muss es nur wollen.

SPD-Funktionäre eingeladen

„Wunderschönes Wetter, um zum nächsten Termin zu radeln – aber der Standort! Eine schöne Einladung der DB an Düsseldorfer SPD-Funktionäre einmal das Rad zu nehmen 🙂 #4B“, schreibt der CDU-Mann einen Tag begeistert. 

An einem anderen Tag notiert er: „Tag 4 des #4B #Bus-Bahn-Bike-Battle: Was für Bilder! Fantastische Aussichten auf dem Rad, die mich regelrecht berauschen. Leider aber nicht nur Licht: Den Schatten bringt die Rheinbahn. Busse erscheinen in der App als pünktlich und verschwinden dann einfach, kommen auch nicht mehr (M2 um 08:13). Geisterbusse bei der Rheinbahn? Warum sehe ich die Busse nicht so wie die Taxen bei Mytaxi? Verstehe ich nicht. So kann das nicht bleiben. (…) Heute: 1x Bus, 1x U-Bahn, 4x Rad, 2x Fußstrecke.“

Nicht immer scheint Sonne

Viele User beteiligen sich an Jarzombeks ÖPNV- und Fahrrad-Streifzug und unterstützen ihn mit ihren Kommentaren. Wie etwa Johann König: „Das A und O zur Nutzbarkeit des ÖPNV sind die Verbindungen.“

Jarzombeks Zwischenbilanz: „Es scheint nicht jeden Tag die Sonne… Ohne einen vernünftigen ÖPNV für die Regentage funktioniert das Rad nicht. Ich radel heute Abend trotz Nieselregen. Macht keine Laune, aber die Verbindung mit Bus & Bahn ist so schlecht, dass ich am Ende doch das Rad vorziehe.Tag 8/10 des #4B #Bus-Bahn-Bike-Battle: 3x Rad plus unzählige Fußstrecken. Auch heute 0x Auto.“

Applaus für Jarzombek

Ich applaudiere dem CDU-Politiker. Er ist in zwei Wochen zu einem echten Vorbild geworden und hat hoffentlich viele Düsseldorfer animiert, es ihm nachzutun. Düsseldorf braucht mehr Vorbilder auf dem Fahrrad und in Bus und Bahn – Künstler, Politiker, Manager. 

Schon vor langer Zeit habe ich die Düsseldorfer Ratsdamen und -herren aufgefordert endlich aufs Fahrrad umzusteigen. Vielleicht hat Thomas Jarzombek ihnen ja jetzt gezeigt, dass es gar nicht so weh tut, aufs eigene Auto zu verzichten und sich mit Fahrrad, Bus und Bahn durch die Welt zu bewegen. 

Bei seiner nächsten Aktion könnte sich Jarzombek ja auch noch mit Carsharing-Wagen fortbewegen. In Düsseldorf ist das Angebot ja sehr groß, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.

Foto: Jarzombek/Facebook

#4B #Düsseldorf #ÖPNV #Rheinbahn #Bus-Bahn-Bike-Battle #CDU #SPD

(Zeitgleich veröffentlicht in meinem Freitags-Blog „Auf einen Cappuccino“ im Wirtschaftsportal Business-on.de

3 Kommentare

  1. fuxen, ingrid fuxen, ingrid

    Wir leiden in Düsseldorf schlicht darunter, dass es zu viele „ruhende Autos“ und
    Pendler gibt, die aber auch keine Alternative im ÖPNV haben. In Wien haben viele
    Ihr Auto abgegeben und ein Jahresticket erstanden, mit dem sie zufrieden sind.
    Die Rheinbahn schafft einfach keine Zuverlässigkeit. Es ist ja so, daß man nicht abschätzen kann, ob die Zeitangabe stimmt und auch eingehalten wird. Die Rheinbahn
    sucht Fahrer, aber will sie die auch attraktiv entlohnen? Die Relation muß ja doch wohl
    stimmen. Wenn ein Fahrer der Rheinbahn auf einer Fahrt verkündet, daß er die Fahr-
    gäste ausladen muß, weil er 10 Stunden am Steuer sitzt, und nicht weiter befördern
    darf!

    • Du hast Recht: Auch ich finde, dass der ruhende Verkehr zu viel Platz belegt. Wir brauchen Imagekampagne pro Fahrrad und ÖPNV und selbstverständlich attraktive Angebote der Rheinbahn, die zum Umstieg anregen.

  2. Ingrid Fuxen Ingrid Fuxen

    Die Fahrradaktion finde ich ja toll, aber die Grünen gehen mir sowas auf den Geist,
    weil das ihr allumfassendes Thema ist, am liebsten alle Autos abschaffen. Unser
    größtes Problem aber ist doch aber der fehlende Platz an Straßen. Die Einwohner-
    zahl wird immer größer – Autos werden mehr, Fahrräder werden mehr, Pendler
    werden mehr, Taxis werden mehr, ÖPNV nimmt zu – nur die Fläche für all die neuen
    Bewegungen wird nicht mehr. In Wien hat man viele Autobesitzer zum Verzicht ihres
    Fahrzeuges gegen den Tausch einer Jahreskarte für den ÖPNV gewinnen können.
    Das würde Platz auf den Straßen schaffen. Aber bei den vielen Verspätungen der
    Rheinbahn oder Ausfällen wäre das sicher kein Lockangebot. Da müßte ein Menge
    passieren!

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