Wie viel Respekt haben Deutschlands Fernsehmanager eigentlich für ihr Personal? Für Redakteure, Moderatoren und freie Mitarbeiter? Ich befürchte: Das Führungspersonal in den deutschen Fernsehsendern muss dringend Nachhilfe in Personalführung bekommen.
Wenn Chefs beim Fernsehen schon mit ihren Prominenten wie Schautzer und Mross so empathielos umgehen, wie behandeln sie dann erst Mitarbeiter*innen, die nicht im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen?
Mross eiskalt gekündigt
In der BILD-Zeitung beschrieb gestern der Moderator der ARD-Show „Immer wieder sonntags“, Stefan Mross, wie man ihn gefeuert hatte. Ihm fiel auf, dass bei einem Gespräch über die Zukunft der Sendung „am Tisch nur zwei Personen vom SWR saßen, meine Unterhaltungschefin und ein Mann. Ich witzelte noch: ‚Oha, das sieht ja nach Kündigung aus.‘ Dann sagte einer der beiden: ‚Ja, damit wären wir schon beim Thema. Das ganze Format wird eingestellt.‘“
Mross (50) kritisiert in der BILD: „Er sagte mir knallhart ins Gesicht, dass nach dieser Staffel Schluss ist mit meiner Sendung. Sie hätten mir bereits eine Erklärung für die Öffentlichkeit vorbereitet, die ich nur noch unterschreiben müsse. Das war eiskalt.“
Ein Buch mit Schautzer
Das erinnert mich an den im vergangenen Jahr verstorbenen Showmaster Max Schautzer. 2003 meldete sich Schautzer bei mir. Er war gerade in seinem Job als Moderator der Sendung „Immer wieder sonntags“ brutal gekündigt worden.
Er wollte ein Buch darüber schreiben und wusste, dass ich neben vielen eigenen Büchern bereits etliche Bücher als Ghostwriter und Koautor für Prominente veröffentlicht hatte. Ein Jahr später veröffentlichten Schautzer und ich ein Buch über Altersdiskriminierung mit dem Titel: „Rock’n’Roll im Kopf, Walzer in den Beinen – Antworten auf den Jugendwahn“.

Kündigung auf der Autobahn
In dem Buch beschrieb Schautzer, wie ihm gekündigt worden war: „Ich befand mich auf der Fahrt von Köln zu einem Theaterauftritt in Ahaus, als mein Handy klingelte. Es meldete sich der Hauptabteilungsleiter Unterhaltung des SWR. Er teilte mir mit, dass es wieder zehn Shows ‚Immer wieder sonntags‘ aus dem Europa-Park geben werde – aber ohne mich. Man wolle die Sendung verjüngen. Ich sei zu alt.“
Zu alt! Mit 64 Jahren! Max erzählte mir, dass er seinen Wagen bei 140 km/h zunächst an den rechten Fahrbahnrand steuerte, anhielt und tief Luft holte.
Kündigung ohne Warnung
Schautzer, damals einer der bekanntesten Moderatoren Deutschlands, berichtet weiter: „Ich war fassungslos, lenkte meinen Wagen auf den nächsten Parkplatz, machte mir einige Notizen zu diesem Gespräch und rief meine Frau an. Sie empfing zu Hause gerade ihre ersten Gäste zum Geburtstagskaffee. Eine schöne Bescherung – auch für sie.“
Max Schautzer war über die Art und Weise der Kündigung zu Recht ungeheuer empört: „Ich wurde nie gewarnt. Nie hatte es ein Gespräch gegeben, in dem sich die Veränderungen andeuteten. Während einer Autofahrt erfuhr ich per Handy, dass die von mir konzipierte und auf einem schwierigen Sendeplatz etablierte Show nach neun äußerst erfolgreichen Jahren mit guten Einschaltquoten ohne triftigen Grund einem jungen Moderator übergeben werden sollte.“
Zweimal dieselbe Sendung
Diese beiden Beispiele für das unsoziale Verhalten von Fernsehchefs betreffen zufällig beide die TV-Sendung „Immer wieder sonntags“. Diese Sendung wird vom SWR produziert, der auch für die Personalfragen zuständig ist. Ich habe die Pressestelle des SWR gefragt:
„Die Kündigungen der Moderatoren Stefan Mross und Max Schautzer bei der ARD-Show ‚Immer wieder sonntags‘ ähneln sich in ihrer Brutalität und Unmenschlichkeit. Ist das eine übliche Methode, mit dem Personal bei Ihrem Sender umzugehen?“
Die SWR-Pressestelle antworte schlicht:
„Der SWR hat Stefan Mross am 20. März persönlich informiert, dass „Immer wieder sonntags“ ab 2027 nicht fortgeführt wird, sowie die Hintergründe dazu erläutert. Der SWR legt großen Wert auf die Wahrung der Vertraulichkeit interner Gespräche und hält sich an alle diesbezüglich getroffenen Vereinbarungen. Wir bitten um Verständnis, dass wir aus diesen Gründen nicht ins Detail gehen.“
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Foto Buchcover und Screenshot BILD: Jamin
Fotoporträt Jamin: Fyeo

