Zum Inhalt springen

Drei Italiener haben mich in den vergangenen Jahrzehnten schon aus meinen Stammcafés „vertrieben“

Ich bin schon dreimal Opfer von Italienern geworden. Genauer gesagt: Opfer der italienischen Gastronomie. Zum 1. April (kein Scherz) werde ich nun mein Stammcafé der letzten Jahre verlieren. Aus meinem Café „Röstmeister“ wird eine stylishe Tagesbar à la Mailand und Florenz.

Dabei war das Café Röstmeister mein Fluchtpunkt nach der Schließung des Bistros „Schiff Ahoi“ in meinem Lieblingswohnstadtteil Düsseldorf‑Oberkassel. Es wurde vor einigen Jahren durch einen Edel‑Italiener, das Restaurant Colombella, ersetzt

Auf einen Cappuccino …

Das Schiff Ahoi war viele Jahre mein täglich besuchtes Stammlokal. Hier trank ich meinen Cappuccino und schrieb für die „Rheinische Post“ meine Kolumne „Auf einen Cappuccino“ und – als einer der ersten Blogger in Deutschland – meinen Blog „Storys aus Oberkassel.de“.

Hier traf ich Freunde und Bekannte und lernte neue Menschen kennen. Vor allem aber las ich hier die Tageszeitungen und Magazine und machte mir Gedanken über die Welt.

Fast wie im Wohnzimmer …

In vielen Jahren davor führte mich mein täglicher Spaziergang in das „Prinzinger“. Dort fühlte ich mich wohl wie in einem Wohnzimmer und organisierte und moderierte hier einige Jahre auch eine der ersten Talkshows in Deutschland: die „Oberkasseler Talkshow“.

Dann wurde ich vertrieben: Heute gibt es in der Location einen Edel‑Italiener – ebenfalls unter dem Namen „Prinzinger“.

Die von mir moderierte "Oberkasseler Talkshow", im Bild mit der Schauspielerin Christine Kaufmann, entstand  vor vielen Jahren in meinem damaligen Stammlokals Prinzinger, Vorläufer meines heutigen Stammcafés Röstmeister
Die von mir moderierte „Oberkasseler Talkshow“, das Bild zeigt mich im Gespräch mit der Schauspielerin Christine Kaufmann, entstand vor vielen Jahren in meinem damaligen Stammlokal Prinzinger, Vorläufer meines heutigen Stammcafés Röstmeister

Ich mag die Italiener …

Ich bin den Italienern nicht böse. Ich mag Italien und die Italiener und ihre Lebensart. Immer wieder bin ich auch gerne Gast bei Italienern. Aber dass sie mir immer wieder mein Stammcafé „wegnehmen“, enttäuscht mich.

Ich habe fast das Gefühl, dass sie mich zwingen möchten, einen Italiener als Stammcafé zu wählen, damit ich endlich Ruhe finde und nicht immer aus meinen Stammcafés vertrieben werde.

Das Leben ist ein Fluss …

Ich weiß: Das Leben ist ein ständig bewegter Fluss – aber warum müssen ausgerechnet meine liebgewonnenen Stammcafés davon betroffen sein?

Nun soll es also in meinem Lieblingswohnstadtteil Düsseldorf‑Oberkassel noch einen weiteren Edel‑Italiener geben. Aus dem Café Röstmeister wird eine stylishe Tagesbar à la Mailand. Ganz ehrlich: Es reicht!

Genug Edel‑Italiener …

In Düsseldorf‑Oberkassel gibt es bereits mehr als genug Edel‑Italiener und schicke Gastro‑Konzepte für ein zahlungskräftiges Publikum.

Was es dagegen viel zu selten gibt, sind Orte wie das Café Röstmeister – ein bodenständiger, lebendiger Treffpunkt für Menschen aus dem Viertel.

Ein wichtiger Ort …

Hier treffen sich Jung und Alt: Schülerinnen und Schüler genauso wie Rentnerinnen und Rentner. Ich selbst komme fast täglich auf einen Cappuccino hierher und weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig dieser Ort für viele Menschen ist.

Hier kann man auch mit kleinem Geldbeutel in Ruhe einen Cappuccino, einen Tee oder einen Espresso trinken – ohne dass jemand auf die Uhr schaut und darauf wartet, den Tisch möglichst schnell wieder neu zu besetzen.

Die Seele Oberkassels …

Genau solche Orte machen ein Viertel lebenswert und sozial durchmischt. Wenn sie verschwinden, verliert Oberkassel ein Stück seiner Seele.

Deshalb fordere ich den Eigentümer des Gebäudes auf: Unterstützen Sie diese nächste Welle austauschbarer Edel‑Gastronomie nicht. Erhalten Sie das Café Röstmeister als offenen Treffpunkt für das Viertel – statt es der nächsten italienischen Gastro‑Mode zu opfern.

Bericht der Rheinischen Post Düsseldorf über die neuen Pächter in meinem Stammcafé Röstmeister
Bericht der Rheinischen Post Düsseldorf über die
neuen Pächter in meinem Stammcafé Röstmeister

Nachbarn stimmen zu …

Das habe ich auch vor wenigen Tagen in der Nachbarschafts‑App nebenan.de gepostet. Mehr als 100 Nachbarn pflichteten mir innerhalb von 24 Stunden bei. Der zukünftige Pächter Carlo B. beteiligte sich an der Diskussion im Internet und widersprach mir:

„… unsere Idee einer italienisch inspirierten Tagesbar bedeutet ausdrücklich nicht, dass wir hier einen ‚Edel‑Italiener‘ oder ein vergleichbares Konzept schaffen möchten. Vielmehr wünschen wir uns einen charmanten, offenen und herzlichen Ort für das Viertel – mit guter Atmosphäre, guten Produkten und einem Konzept, das Menschen zusammenbringt …“

Stopp für Espresso …

Ich bin gespannt, ob er das einlösen wird. Ob seine italienische Tagesbar à la Mailand und Florenz  so werden wird, wie man sie an vielen Straßenecken in jeder Stadt und jedem Dorf in Italien findet. Wo die Nachbarn einen Plausch halten, Handwerker und Postbote und Amazon-Lieferant einen kurzen Stopp für einen Espresso machen und wo Kinder und Hunde zwischen den Beinen der Gäste herumwuseln. 

Ich mag die Italiener …

Wie geschrieben: Ich mag Italiener. Ich bin gespannt, ob mir das neue Tagescafé eine neue Heimat bieten kann – mit möglichst vielen ganz normalen Menschen, jung und alt, und ruhig ein wenig schräg und intellektuell.

Baggerrei und Baulärm …

Vielleicht ist es aber auch ein Zeichen des Himmels, dass mein Stammcafé Röstmeister am 1. April schließen wird und ich womöglich in einer anderen Location meinen Cappuccino trinken muss. 

Eines Tages muss die Stadtverwaltung Düsseldorf ja mit dem schon lange geplanten und dringend notwendigen Umbau des Belsenplatzes beginnen. Und dann gibt es dort statt einer sonnigen Terrasse vor dem Lokal für lange Zeit eine Großbaustelle mit Baggerei und Baulärm. 

Die Stories aus Oberkassel.de entstanden im "Schiff ahoi", schräg gegenüber des Café Röstmeisters
Die Stories aus Oberkassel.de in meinem
Buch „Die schwarze Mamba“ entstanden in meinem Stammlokal „Schiff ahoi“,
schräg gegenüber des Café Röstmeisters

#Shortstorys #Düsseldorf #jaminautor #BlogAufEinenCappuccino  #Literatur  #Kurzgeschichten #BookTok #StoryTok #BuchTok #Oberkassel #Düsseldorf #Cafékultur #Stammcafé #Lieblingscafé #Stadtleben #Nachbarschaft #Kiezkultur #Stadtteilkultur #CappuccinoMoment #Alltagsorte #Kaffeehauskultur #OberkasselLeben #LokaleTreffpunkte #Stadtgeschichte #GastronomieWandel #LebenswertesViertel #CaféRöstmeister #KaffeeInDüsseldorf #Viertelliebe

Fotocollage Röstmeister: Jamin

Alle anderen Fotos: privat

Fotoporträt Jamin: Fyeo

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen