Zum Inhalt springen

Ein Single kann bis Pflegegrad 5 in vielen Fällen sehr gut in seiner bisherigen Wohnung weiterleben

Als Single in Pflegebedürftigkeit zu geraten, ist für viele ein Albtraum. Keine Angehörigen, die den Haushalt schmeißen, einen bei guter Laune halten oder mit der Pflegekasse verhandeln. Die erste und oft folgenschwerste Frage bei einer schwereren und längerfristigen Erkrankung lautet: Muss ich jetzt ins Pflegeheim? Die Antwort ist klar und befreiend: Nein. Und das gilt nicht nur für Pflegegrad 2, sondern über alle Pflegegrade hinweg – bis Pflegegrad 5.

Klagen über hohe Pflegeheimkosten

In der Wochenzeitung „Die Zeit“ Nr. 26 las ich heute einen Bericht „Dabei hat er immer gearbeitet“ über einen 88 Jahre alten Mann, der mit Pflegegrad 2 im Pflegeheim lebt. Er beklagte sich, dass er mit 2000 € Rente wegen der hohen Pflegeheimkosten von der Unterstützung des Sozialamtes abhängig sei und nur 153 € Taschengeld im Monat bekäme. Überdies durfte er 10.000 € von seinem Ersparten behalten.

Die Autorin beschrieb seinen Alltag: das einsame Frühstück morgens um 6 Uhr, das gemeinsame Mittagessen mit schweigsamen Mitbewohner*innen, die Nachmittage und Abende, die er mit Spaziergängen in der Umgebung oder mit dem Schachcomputer verbrachte.

Hervorragende Leistungen für zu Hause

Die Autorin fragte nicht, warum er überhaupt mit diesem Pflegegrad 2 in ein Pflegeheim gewechselt war. Es gibt selten Journalisten, die sich mit dieser Frage auseinandersetzen. Die meisten beklagen in ihren Artikeln, dass die meisten Pflegeheim-Bewohner ihr ganzes Geld in Pflege und Heim investieren müssen und keine sonderlich tollen Leistungen dafür bekommen.

Doch wenn man genau hinsieht, sind die Leistungen der Pflegeversicherung eine hervorragende Zugabe zum eigenständigen Leben in der eigenen Wohnung. Die meisten Journalisten, die über Pflege und Betroffene schreiben, vergessen, dass die Beiträge für die Pflegeversicherung ja recht gering sind und insbesondere nicht darauf ausgelegt sind, alle Pflegeleistungen in komfortabler Heimunterbringung zu gewährleisten. Wer nicht genug Geld hat, wird zum Sozialfall. Und das ist keine Schande.

Zu Hause bleibt man selbstständig

Warum zu Hausebleiben für Singles ein unschlagbarer Vorteil ist, lässt sich am besten mit einem einfachen Gedanken erklären: Sie behalten Ihre Selbstständigkeit und Autonomie. Das ist der größte Vorteil, den kein Pflegeheim ersetzen kann. 

Sie leben in Ihrem eigenen Zuhause, nach Ihren eigenen Regeln. Keine festgelegten Essenszeiten, keine vorgegebene Abendroutine, niemand bestimmt, wann Sie aufstehen oder ob Sie nachts ausgehen. Für Singles, die ihr ganzes Leben selbstständig organisiert haben, ist diese Kontrolle über den eigenen Alltag entscheidend für die psychische Gesundheit. Ein Pflegeheim bedeutet zwangsläufig Anpassung.

Die häusliche Pflege ist kostengünstiger

Dazu kommt, dass häusliche Pflege deutlich kostengünstiger ist als ein Pflegeheim. Ein Pflegeheim kostet in Deutschland durchschnittlich 3500 bis 4500 EUR monatlich. Die häusliche Pflege durch ambulante Dienste wird durch die Pflegeversicherung deutlich besser finanziert. Ab Pflegegrad 2 erhalten Sie 796 EUR Pflegesachleistungen für ambulante Dienste, dazu 347 EUR Pflegegeld, wenn Sie selbst organisieren, und 131 EUR Entlastungsbetrag für Haushaltshilfe. 

Mit steigendem Pflegegrad wächst dieses Budget weiter: Bei Pflegegrad 5 stehen Ihnen insgesamt 2.001 EUR Pflegesachleistungen und 990 EUR Pflegegeld zur Verfügung. Zusammen mit Verhinderungspflege bis zu 42 Tage im Jahr, Tagespflege und Zuschüssen für Wohnraumanpassung bis 4.180 EUR bleiben Sie finanziell deutlich besser dran.

Zu Hause gibt es keinen sozialen Abstieg

Ein weiterer entscheidender Punkt ist, dass Sie als Single zu Hause vermeiden, was viele Pflegeheime mit sich bringen: den sozialen Abstieg. Pflegeheime sind oft isolierte Welten. Der Kontakt zu Freunden, Nachbarn und dem lokalen Umfeld bricht schnell ab. 

Für Singles, die ohnehin keine Familie haben, ist das doppelt gefährlich, weil sie ihren einzigen sozialen Rückhalt verlieren. Zu Hause bleiben bedeutet, dass Ihre Nachbarn Sie noch kennen, Sie Ihren Kaffee dort trinken, wo Sie ihn immer getrunken haben, und Sie in Ihrem vertrauten Umfeld mit allen bisherigen Beziehungen bleiben.

Rund um Pflege bis Pflegegrad 5

Als Single haben Sie Ihr Zuhause über Jahre oder Jahrzehnte persönlich eingerichtet. Jedes Bild, jeder Stuhl, jede Lampe hat eine Bedeutung. Dieses Zuhause ist nicht nur eine Wohnung, es ist Ihr Lebensort. In ein Pflegeheim zu gehen, bedeutet, all das zu verlieren. Bei häuslicher Pflege bleibt Ihr Zuhause Ihr Zuhause. Sie können barrierefrei umbauen, etwa mit einem Zuschuss bis 4180 EUR für ein barrierefreies Bad oder einen Treppenlift, aber es bleibt Ihr Ort.

Viele denken als Single: „Ich habe niemanden, der mich nachts pflegt.“ Das ist falsch. Ambulante Pflegedienste bieten 24-Stunden-Pflege, auch nachts, auch bei Pflegegrad 5. Es gibt Nachtpflege mit einer festen Pflegeperson von 22 bis 6 Uhr, Hausnotrufe speziell für Alleinlebende mit einem Zuschuss bis 25,50 EUR monatlich und Betreuungsassistenten, die bei Alltag, Medikamenten und Einkauf helfen.

Pflegedienst übernimmt viele Aufgaben

Zu Hause bleiben bedeutet auch, dass Sie entscheiden, wann und wie viel Pflege Sie bekommen. Im Pflegeheim gibt es feste Strukturen. Zu Hause bestimmen Sie, wann der Pflegedienst kommt, wie lange er bleibt und welche Aufgaben übernommen werden. Als Single können Sie flexibel reagieren: Morgens nur Körperpflege, nachmittags Haushaltshilfe, abends nur Gesellschaft. Diese Flexibilität ist im Heim nicht möglich.

Ein weiterer wichtiger Unterschied ist, dass Sie in häuslicher Pflege nicht dem Pflegeheim-Prinzip unterliegen. Sie werden nicht behandelt, Sie werden gepflegt. Pflegeheime sind oft klinisch strukturiert. Medikamente, Mahlzeiten und Aktivitäten folgen einem festen Plan. Das ist effizient, aber es entmündigt Sie. Zu Hause bleiben bedeutet, dass Sie nicht zum Patienten reduziert werden. Sie bleiben die Person, die Sie sind – mit Ihren Vorlieben, Routinen und Wünschen.

Zu Hause pflegt man sich oft am besten – auch mit Pflegegrad 5. Mehr Informationen gibt es in der Stadtverwaltung.
Zu Hause pflegt man sich oft am besten – auch mit Pflegegrad 5. Mehr Informationen gibt es in der Stadtverwaltung.

Sozialberatung der Stadt bietet Informationen

Die größte Herausforderung für Singles ist die Organisation. Als Single haben Sie den einzigen echten Vorteil: Sie müssen niemanden fragen, ob die Pflege passt. Sie entscheiden selbst. Die Herausforderung ist die Organisation: Wer koordiniert die Pflegedienste, wer kümmert sich bei Veränderungen im Gesundheitszustand und wer hilft bei der Pflegekasse? Aber es gibt Lösungen. Die Sozialberatung bietet kostenlose Beratung durch Pflegekassen, es gibt Pflege-Beratungsdienste als professionelle Lotsen für häusliche Pflege und Betreuungsvereine, die bei Organisation und Verwaltung unterstützen.

In meiner Lieblingswohnstadt Düsseldorf beispielsweise erhalten die Bürgerinnen und Bürger im Alter einen Brief der sogenannten „aufsuchenden Seniorenhilfe“. Tenor: „Gerne stellen wir Ihnen in einem persönlichen, kostenfreien Gespräch, die vielfältigen Hilfs- und Beratungsangebote für Seniorinnen und Senioren in Düsseldorf vor. Das Gespräch dauert etwa 30 Minuten. Ob sie dieses Angebot wahrnehmen möchten, entscheiden Sie selbstverständlich freiwillig. Wenn Sie möchten, besuchen wir Sie gerne zu Hause oder wir treffen uns an einem für Sie gut erreichbaren Ort.“

Das Beste für Finanzen und Lebensqualität

Pflegebedürftigkeit als Single bedeutet nicht, dass Sie ins Pflegeheim müssen. Es bedeutet, dass Sie sich selbst organisieren müssen – und das ist mit den richtigen Unterstützungen machbar. 

Zu Hause bleiben ist die beste Entscheidung für Ihre Seele, Ihre Finanzen und Ihre Lebensqualität. Sie haben Ihr Leben selbstständig organisiert. Sie können die Pflege auch selbstständig organisieren. Der Weg ist nicht immer einfach, aber zu Hause bleiben ist die beste Entscheidung.

Vermisst-Ratgeber für Angehörige

Informationen und Bestellen – hier

#Shortstorys #Düsseldorf #jaminautor #BlogAufEinenCappuccino  #Literatur  #Kurzgeschichten #BookTok #StoryTok #BuchTok #HäuslichePflege #Pflegegrad2 #SingleImPflegefall #ZuHauseBleiben #PflegeImAlter #AmbulantePflege #SelbstständigkeitImAlter #PflegeohneHeim #Pflegegeld #WohnenImAlter

Quellen

Foto Broschüre: Stadt Düsseldorf

Foto Blumen: Jamin

Fotoporträt Jamin: Fyeo

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen