Ich lese nicht oft die Bild-Zeitung. Aber immer wieder mal, um zu erfahren, was die Journalisten am Boulevard so verzapfen. Seit Kurzem gibt es auf der zweiten Seite des Blattes die Kolumne „Mail von Martenstein“.
Er hat den Journalisten Franz-Josef Wagner ersetzt, der jahrelang in der Bild vergeblich Briefe an das Wetter, den Karneval oder alle möglichen Prominenten und unbedeutenden Leute aus aller Welt schrieb – ohne je eine Antwort zu bekommen.
Der Autor ist umstritten
Martenstein gilt als umstritten. Also: nicht richtig links, nicht richtig rechts und schon gar nicht mittendrin. Aber er hat ein bisschen Schlagseite nach rechts. Das war bei seinem früheren Arbeitgeber, der Zeit, kein Problem.
Das wäre auch jetzt nicht weiter schlimm, wenn er seine Leser*innen nicht langweilen würde. Er schreibt noch immer so, als würde er für die Wochenzeitung Die Zeit schreiben. Dort konnte er schreiben, was er wollte – zeitlos, abseits vom aktuellen Geschehen.
Der Autor kann nicht aktuell
Bei Bild ist das anders. Man merkt Martenstein an, dass er Aktualität nicht kann. Eine Kolumne über die Demokratie? Hatten wir schon vor einigen Wochen, in großen Diskussionen in den Medien. Eine Kolumne über Wagenknecht? Spielt aktuell überhaupt keine Rolle. Zur Bilanz von Angela Merkel? Zum Gähnen langweilig.
Martenstein kann nicht aktuell, und er kann vor allem eines nicht: kurz. Das war das Metier von Wagner, der es in zehn Zeilen schaffte, einen Gedanken auf den Punkt zu bringen. Martenstein benötigt dafür hundert Zeilen – und kommt dabei noch vom Hölzchen aufs Stöckchen.
Der Autor schwurbelt herum
Er schwurbelt auch gern um die Themen herum, legt sich nie so richtig fest. Manche würden sagen, er traut sich nicht, Klartext zu schreiben. In seiner letzten Kolumne über die Demokratie faselte er ein wenig über eine neue Partei, ohne sie beim Namen zu nennen. Er beschwor sogar ein Verbot dieser Partei, das es gar nicht gibt.
Schließlich erwähnte er auch noch die Linke, AfD und DKP in einem Atemzug. „Du, Demokratie, darfst nicht schon wieder aus Deutschland ausgewiesen werden.“ Nach der Lektüre wusste niemand mehr, was Martenstein überhaupt meinte. Dass sich in seiner „neuen“ Partei viele Demokraten mit zu vielen Rechtsextremen ins Bett legen, ignorierte Martenstein ohnehin.
Autor kommt nicht auf den Punkt
Vermutlich wird sich der Kolumnist bei Bild nicht sehr lange halten. Ich bin sicher, dass in der Chefredaktion bereits Überlegungen angestellt werden, wer ein guter Nachfolger wäre.
Denn eines bemerken Bild-Leser rasch: wenn jemand nicht auf den Punkt kommt. Das beherrscht jeder Bild-Redakteur aus dem Effeff.
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Foto Martenstein, Kolumne, Screenshot
Fotoporträt Jamin: Fyeo

