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Das neue Gesellschaftsspiel: Wenn künstlichen Intelligenz mit den Augen von AfD-Chefin Alice Weidel den Facebook-Post eines Juraprofessors auseinandernimmt 

In dieser Woche las ich auf Facebook den Post eines mir seit langem bekannten Juraprofessors und Strafrechtlers. Er schrieb über die Demonstration, die am Wochenende in Erfurt anlässlich des Bundesparteitags der AfD stattfand. Der Text lautete so:

Ich habe mir die Berichterstattung zum AfD-Parteitag in Erfurt angesehen, dazu reichlich Material aus den sozialen Medien, Postings aus dem linken und linksradikalen Spektrum sowie die Polizeiberichte. Nüchtern betrachtet bleibt vom Erfurter Wochenende vor allem eines: Die große antifaschistische Erzählung war deutlich größer als ihre tatsächliche Wirkung.

1. Der angekündigte Ausnahmezustand blieb aus.

Die befürchteten kriegsähnlichen Zustände auf den Straßen hat es nicht gegeben. Das hatte drei Gründe.

Erstens war die Polizei hervorragend vorbereitet und hatte die Lage im Griff. Dafür gebührt den Einsatzkräften Dank.

Zweitens agierte die AfD organisatorisch deutlich klüger als ihre Gegner. Während die linken Blockierer noch schliefen, reisten die Delegierten bereits an. Als die Protestierenden dann auf der Straße saßen, waren die Delegierten längst in der Halle. Getroffen wurde nicht die AfD, sondern die Erfurter Bevölkerung, Pendler, Autofahrer, Lkw-Fahrer — also genau jene „einfachen Leute“, in deren Namen man politisch so gern spricht.

Drittens blieb die Mobilisierung hinter den Erwartungen zurück. Der gern beschworene breite Aufstand der Zivilgesellschaft fand nicht statt. Der Protest war sichtbar, laut und medial dankbar verwertbar. Aber tief in der Bevölkerung verankert war er erkennbar nicht.

2. Friedlich war es nicht, nur weil es weniger schlimm kam als erwartet.

Ja, die Proteste verliefen insgesamt weniger gewalttätig als befürchtet. Aber das lag nicht an besonderer Mäßigung der radikalen Szene, sondern an der Polizeipräsenz und daran, dass die Delegierten längst vor Ort waren.

Gleichzeitig gab es Gewaltexzesse. Einige kriminelle Linksradikale machten Jagd auf Journalisten, nachdem sie diese zuvor kurzerhand zu „Faschisten“ erklärt hatten. Genau darin liegt das Problem: Wer politisch entmenschlicht wird, wird am Ende auch körperlich zum Ziel. Diese Logik kennt man. Die „Hammerbande“ lässt grüßen.

Wer angesichts solcher Szenen behauptet, es sei doch alles im Wesentlichen friedlich gewesen, verwechselt Schadensbegrenzung mit Harmlosigkeit.

3. Das historische Framing war durchsichtig.

Besonders bemüht wirkte der Versuch, das Datum zu instrumentalisieren. Weil am 3. Juli 1926 ein NSDAP-Parteitag stattfand, wurde der AfD unterstellt, diesen Termin bewusst gewählt zu haben. Nur: Das Datum wurde nach allem, was bekannt ist, von der Messe Erfurt vorgeschlagen. Der große historische Subtext fällt damit in sich zusammen.

Wenn man künftig nach diesem Muster arbeitet, sollte man bei Parteitagen der Linken konsequenterweise auch prüfen, was Stalin, Mao oder die Roten Khmer am jeweiligen Datum gerade getan haben. Das wäre intellektuell ungefähr auf demselben Niveau — also exakt passend.

4. Die Empörung hat der AfD genutzt.

Das Dauerfeuer von Linken, Antifa-Aktivisten und Teilen des öffentlich-rechtlichen Milieus hat weder die AfD abgeschreckt noch den Protesten den erhofften Zulauf verschafft. Im Gegenteil: Es hat der AfD genutzt.

Millionen Menschen konnten zur besten Sendezeit sehen, wie draußen blockiert, geschrien und moralisch überhitzt wurde, während die AfD drinnen diszipliniert ihren Parteitag abhielt. Genau solche Bilder braucht diese Partei. Nicht trotz der Empörung, sondern wegen ihr.

Ohne die hysterische Dauerbegleitung hätte sich kaum jemand für diesen Parteitag interessiert. Parteitage anderer Parteien nimmt außerhalb politischer Fachkreise schließlich auch kaum jemand wahr. Die AfD lebt von Öffentlichkeit. Ihre Gegner liefern sie ihr frei Haus — und wundern sich anschließend über die Rechnung.

5. Die AfD wirkt professioneller. Das ist für ihre Gegner das eigentliche Problem.

Eine weitere Radikalisierung lässt sich aus diesem Parteitag schwerlich ableiten. Inhaltlich stand er dafür gar nicht im Zentrum. Dass ein Bundestagsabgeordneter aus dem Thüringer Landesverband in den Bundesvorstand gewählt wurde, mag politisch bemerkenswert sein. Als Beleg dafür, dass die Partei nun quasi verbotsreif sei, taugt es nicht.

Der entscheidende Punkt ist ein anderer: Die AfD professionalisiert sich weiter. Sie organisiert sich besser, sie kalkuliert öffentliche Reaktionen präziser, und sie nutzt die Empörung ihrer Gegner strategisch aus.

Genau das müsste die politischen Mitbewerber beunruhigen. Nicht, weil die AfD plötzlich harmloser wäre. Sondern weil sie wirksamer wird.

Juraprofessor ignoriert die friedlichen Demonstranten

Mich ärgerte vor allem, dass der Juraprofessor mit keinem Wort auf die mehr als 20.000 friedlichen Demonstranten eingegangen war und sie alle pauschal als „Linke“ verortete. Auch die Polizei hatte von einer überwiegend friedlichen Demonstration gesprochen. Ich schrieb darauf hin folgenden Kommentar unter den Text des Juraprofessors – meine Meinung:

Haben Ihnen Alice Weidel und Höcke schon für diesen Beitrag gedankt? Wie auch Social Media und aktuell berichtende Medien haben Sie nur die Aufsehenerregendsten Szenen dieser Demonstration im Blick. (Die ausgewogene Beurteilung dürfen wir dann am Donnerstag in der „Zeit“ lesen)  Sie begründen, warum „kriegsähnliche Zustände“ vermieden worden sind, sind aber nicht in der Lage darauf hinzuweisen, dass zehntausende Demonstranten friedlich gegen die AfD protestiert  haben. Darunter waren vermutlich auch etliche CSU- und FDP-Wähler, der Parteien also, denen sie nahe stehen. Denen unterstellen Sie, dass sie nur friedlich geblieben sind, weil die AfD so schlau war und die Polizei so durchsetzungsfähig (Zitat: verwechselt Harmlosigkeit mit Schadensbegrenzung). Sie spielen hier den Schiedsrichter, sind aber nicht unparteiisch. Ein Beispiel: Dass zwei Journalisten, zu deren Berufsgruppe ich seit Jahrzehnten gehöre, vom Pöbel angegriffen wurden, bedaure ich sehr und das halte ich absolut nicht für richtig. Aber auch für von Ihnen so genannte „kriminelle Linksradikale“ gilt die Unschuldsvermutung. Noch hat die Polizei meines Wissens keine Täter gefasst und erst recht wurde noch kein Täter verurteilt. Sie sollten also mit ihren Urteilen etwas zurückhaltend sein, gerade als Strafrechtler. 

KI analysierte Post des Juraprofessors

Im Verlauf der Diskussion ließ ich den Text des Professors von einer KI-App, Perplexity, analysieren. Die Meinung der KI war differenziert: 

Es handele sich vor allem um einseitige Deutungen, Auslassungen und zugespitzte Formulierungen. Die KI kam zu dem Ergebnis, dass zwar reale Ereignisse beschrieben werden, diese jedoch selektiv gewichtet und interpretiert werden. Besonders problematisch sei, dass friedliche Demonstrierende durch Verallgemeinerungen indirekt in die Nähe gewaltbereiter Gruppen gerückt würden.

So werde etwa die Wirkung der Proteste pauschal als gering dargestellt, ohne die tatsächliche Teilnehmerzahl und gesellschaftliche Breite angemessen zu berücksichtigen. Auch Formulierungen wie „Jagd auf Journalisten“ seien zwar nicht völlig aus der Luft gegriffen, aber deutlich dramatisierend.

Insgesamt entstehe ein verzerrtes Bild: kein erfundener Sachverhalt, aber eine klare argumentative Schlagseite.

Die Meinung eines KI-Politikwissenschaftlers

Eine Freundin, die die Diskussion verfolgte, ging noch einen Schritt weiter und ließ die Künstliche Intelligenz von ChatGPT den Text aus politikwissenschaftlicher Perspektive bewerten. Das Ergebnis war sehr aufschlußreich. Die Meinung der KI: 

Der Text wurde als rhetorisch stark und handwerklich gut beschrieben. Er sei klar strukturiert, nachvollziehbar aufgebaut und knüpfe an reale Beobachtungen an. Gleichzeitig arbeite er jedoch gezielt mit sprachlichen Zuspitzungen.

Begriffe wie „hysterische Dauerbegleitung“ oder „moralisch überhitzt“ seien nicht neutral, sondern wertend. Zudem würden an mehreren Stellen Schlussfolgerungen gezogen, für die es keine belastbaren Belege gebe – etwa die These, die Proteste hätten der AfD insgesamt genutzt.

Als politische Analyse sei der Text daher nur eingeschränkt tragfähig. Einige Beobachtungen seien plausibel, etwa die Rolle der Polizei oder die mögliche Wirkung von Protestformen. Andere Aussagen gingen jedoch deutlich über das hinaus, was sich empirisch belegen lasse.

Vor allem fehle eine Auseinandersetzung mit der AfD selbst: ihren Inhalten, Beschlüssen und den Gründen für die Proteste. Dadurch bleibe die Analyse einseitig.

Der Gesamteindruck: ein argumentativ geschickter, aber selektiver Kommentar – keine neutrale Analyse.

Der KI-Blickwinkel von AfD-Chefin Alice Weidel

Aus Neugier ließ ich schließlich die KI-App Perplexity beantworten, wie Alice Weidel den Text wohl bewerten würde. Deren Meinung aus KI-Sicht war wie bei diesem Text nicht anders als zu erwarten – überwiegend positiv:

Aus Alice Seidels Perspektive bestätige der Text zentrale Narrative der AfD. Die Gegendemonstrationen erscheinen als überzogen, ineffektiv und teilweise radikal, während die AfD als diszipliniert, strategisch klug und professionell dargestellt wird.

Besonders anschlussfähig seien Aussagen wie:

  • Der „ausgebliebene Ausnahmezustand“
  • Die Betonung von Gewalt einzelner Demonstrierender
  • Die These, die Empörung habe der AfD genutzt
  • Die Darstellung der Partei als zunehmend professionell

All das entspricht weitgehend der Kommunikationsstrategie der AfD. In diesem Sinne sei der Text für Weidel politisch äußerst nützlich – selbst wenn er formal als nüchterne Analyse daherkommt.

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Foto Demonstranten vor AfD Bundesparteitag 2026: KI Google Gemini

Fotoporträt Jamin: Fyeo

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