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Exklusiver, kostenloser Buch-Abdruck: Die ganze Wahrheit über den Düsseldorfer Handke-Heine-Preis-Skandal 2006 – Kapitel 7: Der Dichter: Ein zerredeter Preisträger fordert Leserschaft 

Im Mai vor 20 Jahren – und in den Monaten danach – erschütterte ein Riesenskandal die literarische Welt: Eine Jury der Stadt Düsseldorf hatte dem Dichter Peter Handke den Heinrich-Heine-Preis und das damit verbundene Preisgeld von 50.000 € zugesprochen. 

Doch der Preis wurde dem Dichter bis heute nicht überreicht. Ich habe damals, 2006, darüber ein polemisch-unterhaltsames Buch veröffentlicht: „Der Handke-Skandal – wie die Debatte um den Heinrich-Heine-Preis unsere Kulturgesellschaft entblößte.“  Jeden Samstag veröffentliche ich daraus – ohne Bezahlschranke – ein weiteres Kapitel.

Buch-Abdruck: Kapitel 7

Ist es nicht beschämend für ein Volk der Dichter und Denker, wenn ein vielfach preisgekrönter Dichter während einer der größten, wenn nicht gar der größten Literaturdebatte über ihn und sein Werk von seinen Kritikern fordern muss, dass sie erst sein Werk lesen sollen, bevor sie ihn zerreißen? 

Es ist katastrophal.

„Ich habe nie eins der Massaker in den Jugoslawienkriegen 1991 – 1995 geleugnet, oder abgeschwächt oder verharmlost, oder gar gebilligt. Nirgendwo bei mir kann man lesen, ich hätte Slobodan Milosevic als „ein“ oder „das“ Opfer bezeichnet …“, rechtfertigte sich Peter Handke mitten in der Debatte in der FAZ, „und in diesem Sinne wünsche ich, dass alle meine Aufzeichnungen, Erzählungen, Berichte, Stücke der letzten fünfzehn Jahre zu Jugoslawien Wort für Wort gelesen würden“.

Im Kreuzfeuer der Kritik

Peter Handke stand schon wenige Tage nach Bekanntgabe seiner Ehrung im Kreuzfeuer der Kritik. Da half auch nicht, dass das Presseamt der Stadt Düsseldorf in der ersten Mitteilung die Person und das Werk noch so pflegeleicht darstellte, als gäbe es keinen Zündstoff, an dem sich die an dem Literaten in der Politik Interessierten aufreiben könnten. Man schrieb in Handkes Vita von einem “erheblichen Wirbel“, für den Handke ab 1996 mit seinen Streitschriften („Gerechtigkeit für Serbien“), Reiseberichten und Interviews zum Balkankrieg gesorgt hätte.

Eine hübsche Vita. So recht harmlos, wie es sich die Jury und auch die Heine-Preis-Verwalter im Düsseldorfer Rathaus wohl auch vom Verlauf der Preisverleihung im Heine-Jahr erhofft hatten. Kein Wort über den Schlagzeilen-trächtigen Streit, der gerade in Paris wegen Handkes Serbien-Werke und seiner Serbien-Fürsprachen ausgetragen worden war. Gerade einmal von „erheblichen Wirbel“ war die Rede, als wären die heftigen Reaktionen auf Handkes Texte zu den jugoslawischen Kriegen und seinem Auftreten bei der Beerdigung von Milosevic ein Naturereignis, das aufkommt und wieder vorübergeht. Ein Hagelschauer, der gegen die Fenster jenes Theaters prasselt, in dem die Welt gerade ein Spektakel inszeniert.

Vom Spielplan gestrichen

Der Krach fand nicht etwa im Untergrund der Pariser Metro statt, sondern auf offener Bühne, in der Comédie Francaise. Dessen Direktor Marcel Bozonnet hatte Handkes Theaterstück „Das Spiel vom Fragen“ vom Spielplan gestrichen, nachdem Handke an der Beerdigung von Slobodan Milosevic teilgenommen und eine Ansprache gehalten hatte. Bozonnet begründete seinen Entschluss damit, dass er es nach Handkes Teilnahme an der Beisetzung nicht mit seiner Seele und seinem Gewissen vereinbaren könne, „diese Person“ in seinem Haus zu empfangen. „Jemanden in ein Theater einzuladen“, sagte er, sei „ein Akt der Anerkennung, der Liebe“. 

Diese Absage schlug so hohe Wellen nicht nur in Frankreich, sondern auch in der Bundesrepublik, dass auch die Mitglieder der Heine-Preis-Jury davon erfahren haben mussten. Der Schweizer Autor Paul Nizon und die Filmemacher Michael Haneke und Emir Kustrica protestierten gegen diese Form der Zensur.

Wer nicht abwarten möchte und alle Kapitel komplett lesen will, hat dazu nur noch begrenzt Gelegenheit: Von dem Buch gibt es noch eine Restauflage. Das Buch kann zum Sonderpreis von 12,60 € inkl. Versand unter folgendem Link beim Magenta-Verlag bestellt werden. https://magenta-verlag.de/produkt/der_handke_skandal/
Wer nicht abwarten möchte und alle Kapitel komplett lesen will, hat dazu nur noch begrenzt Gelegenheit: Von dem Buch gibt es noch eine Restauflage. Das Buch kann zum Sonderpreis von 12,60 € inkl. Versand unter folgendem Link beim Magenta-Verlag bestellt werden.

Eine mickrige Begründung

Allein diese Diskussion um Handkes umstrittenes politisches Engagement hätte die Jury des Heine-Preis hellhörig machen und sie veranlassen müssen, ihre Begründung zur Wahl intelligenter und ausführlicher ausfallen zu lassen. Die mickrigen zwei Sätze waren in den vergangenen und den mit Sicherheit noch zu erwartenden Debatten nur ein Wellenschlag im Ozean. Sie hätte Stellung beziehen und sich, falls man der Meinung war, gegen Paris und hinter den Dichter stellen müssen. Statt dessen formulierte man eine simple Begründung und ließ Publikum und Presse mit vielen Fragen und Irritationen allein.

Weder die Jury-Mitglieder noch die Presseberater im Düsseldorfer Rathaus nahmen offensichtlich den streitbaren Dichter als auch die Pariser Diskussion sonderlich ernst. Seine Serbien-Bücher waren für die Intellektuellen vom Rhein wohl nur Fußnoten der Geschichte, die nicht beachtet, geschweige denn gelesen werden mussten. Es gab auch keinen Handke-Kenner, der die Düsseldorfer vor den Fallstricken warnte. Und es gab auch keinen Literaturexperten, der sich zu einer Expertise über die Kompatibilität von Heines Geist und Handkes Haltung beflügelt sah.

Politisch fürchterlich geirrt

Sowohl die Teilnahme an der Milosevic-Beerdigung wie auch der Besuch Handkes bei dem im Gefängnis des Kriegsverbrechertribunals in den Haag einsitzenden Milosevic waren für die serbische Dramatikerin Biljana Srbljanovic völlig unabhängig davon, was Peter Handke bei dieser Gelegenheit gesagt hat oder nicht, nicht nur fragwürdige, sondern geradezu falsche symbolische Handlungen, die seine grundsätzlich ja achtenswerte Solidarität mit den Serben in Frage stelle. Srbljanovic: „Für Slobodan Milosevic einzutreten, hat niemals bedeutet, für Serbien zu sein.“ 

Gewiss sei der frühe Handke, so der serbische Schriftsteller Bora Cosic, ein bedeutender Dichter gewesen, politisch habe sich der Autor jedoch fürchterlich geirrt, als er ohne Vorbehalt das arrogante, faschistische Regime von Milosevics Serben unterstützte.

Keiner las die Bücher

Die sechs Bücher, die Handke über Serbien geschrieben hat, sagen viel aus über den späten Handke, sein Werk und nicht zuletzt auch seine Heine-Preis-Würdigkeit. Zu Recht beklagte sich Handke auf dem Höhepunkt der Debatte um den Heine-Preis, dass sich niemand mit seinem Werken befasst hat, die er zu den jugoslawischen Kriegen geschrieben hat. 

In einer Stellungnahme in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ wünscht sich Handke, „dass all meine (6) Aufzeichnungen, Erzählungen, Berichte, Stücke der letzten fünfzehn Jahre zu Jugoslawien Wort für Wort gelesen würden, und anders sachverständig: „Abschied des Träumers vom neunten Land“ (1991), „Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina“ (1996), „Sommerlicher Nachtrag zu einer winterlichen Reise“ (1996), „Die Fahrt im Einbaum oder das Stück zum Film vom Krieg“ (1999), „Unter Tränen fragend“ (1999) (alle bei Suhrkamp), und zuletzt „Die Tablas von Daimiel“, Juni 2005 („Literaturen“). Mir dünkt, mich bedünkt, für diese Schriften ist der Heinrich-Heine-Preis. Es gibt noch Bücher zu lesen jenseits der Zeitungen.“.

Wer sich ernsthaft mit Handke und seiner komplizierten Beziehung zu Serbien und Milosevic und dessen Regime und über Ursachen und Anlässe der jugoslawischen Kriege befassen will, muss die Werke lesen. 

(Ende des 7. Kapitels aus dem Sachbuch „Der Handke-Skandal“. Fortsetzung mit Kapitel 8 am Samstag, 11. Juli 2026)

Fragen ohne Antwort an Düsseldorfs Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller

Anfang Mai 2026 habe ich den Düsseldorfer Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller einige Fragen zum Handke-Heine-Preis-Skandal geschickt. Bis heute habe ich keine Antwort erhalten. Die Fragen:

  1. Ist der Dichter Peter Handke Preisträger des Heine-Preises 2006 – oder nicht?  
  2. Sollte die Stadtverwaltung oder der Stadtrat von Düsseldorf nach 20 Jahren nicht eine klare Lösung für diese Frage finden? Bislang hat sich ja noch kein städtisches Gremium, weder Rat der Stadt noch der Kulturausschuss, mit der Frage befasst, ob Peter Handke Heinrich-Heine-Preisträger ist oder nicht.
  3. Warum ist die Information über den Heine-Preis auf der Website duesseldorf.de so begrenzt? Dort finden sich nicht einmal die Namen der bisherigen Preisträger*innen, die nicht nur den Preis selbst, sondern auch das Kulturleben in der Landeshauptstadt „schmücken“ würden.
  4. Hat die Stadtverwaltung eventuell wegen der ungeklärten Frage der Preisträgerschaft von Peter Handke auf eine Aufzählung der Preisträger verzichtet?

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Foto Buch Der Handke-Skandal: Jamin

Fotoporträt Jamin: Fyeo

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