Passauer FDP-Oberbürgermeister-Kandidat und Hochschulprofessor wirft ehemaliger Präsidentin des Zentralrats der Juden Geschichtsverfälschung vor
Veröffentlicht 20. August 2026 Von
peterjamin
„Liebe Frau Knobloch, bei allem Respekt, aber hier befinden Sie sich auf einem absoluten Irrweg. Sorgen vor Rechtsextremismus darf man sich machen, ebenso wie vor linken oder religiösen Extremisten. Die Behauptung aber, zwischen AfD und NSDAP gebe es ‚in vielen Bereichen keinen Unterschied mehr‘, ist historisch nicht haltbar. Die Unterschiede sind fundamental.“
„Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch (93), zieht in einem Interview Parallelen zwischen der heutigen AfD und der NSDAP bis 1933. ‚Ich sehe in vielen Bereichen keinen Unterschied mehr zur NSDAP, bevor diese an die Macht gekommen ist‘, sagte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland dem Magazin ‚stern‘.
Auch die NSDAP habe ‚einmal klein angefangen und ausprobiert, was alles möglich ist‘‘. Exakt das mache die AfD: Ihre Politiker testen aus, was zumutbar sei. ‚Und wir sehen: Sie wachsen mit zunehmender Radikalität‘‘, warnte die 93 Jahre alte Holocaust-Überlebende, die Sorge äußerte, ob Deutschland ein demokratisches Land bleiben werde. Auf die Frage, ob der Vergleich zwischen der AfD heute und der NSDAP zu Beginn der 1930er Jahre redlich sei, antwortete Knobloch: ‚Man kann es nicht gleichsetzen, aber vergleichen sollte man.‘“
Putzke verfälscht Knoblochs Statement
In einem unsachlichen Vergleich zitiert der Professor, der auch Autor des angesehenen Verfassungsblog.de ist, Charlotte Knobloch in verfälschender Weise.
Gleich am Anfang seines Facebook-Textes (siehe Putzkes Statement ganz oben) zitiert er Knobloch unvollständig nur mit einem halben Satz: „ … zwischen AfD und NSDAP gebe es ‚in vielen Bereichen keinen Unterschied mehr‘.“
Richtig sagte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Knobloch, allerdings sowohl in Bild wie auch im Stern mit Blick auf die AfD:
„Ich sehe in vielen Bereichen keinen Unterschied mehr zur NSDAP, bevor diese an die Macht gekommen ist.“
Professor Putzke unterschlägt Halbsatz
Den zweiten Halbsatz verschweigt Putzke offensichtlich aus gutem Grund: Während Knobloch über die Anfänge der NSDAP spricht und dazu aufruft, diese Zeit mit der der AfD heute in Teilbereichen zu vergleichen, setzt Putzke in seiner Facebook-Anklage die schlimmsten Zeiten der NSDAP dagegen.
Dadurch verfälscht der Professor die Aussagen von Charlotte Knobloch – offensichtliche AfD-Fans liken das im Facebook-Post von Putzke.
Streitbarer Hochschulprofessor Holm Putzke aus Passau wirft der ehemaligen Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, Verharmlosung der Nazi-Verbrechen vor
Vorwurf: Knobloch verharmlose Naziverbrechen
Zum Abschluss seiner General- Abrechnung mit der betagten Holocaust-Überlebenden, die sich passagenweise wie eine Verteidigungsrede für die AfD liest, schreibt FDP-Ratsherr-Putzke, der gleichzeitig auch immer noch Mitglied der CSU ist:
„Wer AfD und NSDAP nahezu gleichsetzt, verharmlost die beispiellosen Verbrechen der Nationalsozialisten. Das steht – mit Verlaub – auch keiner Holocaust-Überlebenden zu. Unpassende Vergleiche und Dämonisierung stärken die AfD.“
Während Knobloch also die Anfänge von AfD und NSDAP in Teilbereichen miteinander vergleicht, tut der Passauer FDP-Oberbürgermeister-Kandidat Putzke in seinem Zehn-Punkte-Pamplet so, als hätte Knobloch AfD und NSDAP eins zu eins verglichen.
Originalton Prof. Holm Putzke in einer Zehn-Punkte-Liste zur Verteidigung der AfD-Positionen auf Facebook:
1. Demokratie oder Diktatur: Die NSDAP wollte die Demokratie beseitigen und durch eine totalitäre Diktatur ersetzen. Die AfD tritt zu freien Wahlen an und bekennt sich zur demokratischen Ordnung – auch wenn manche Mitglieder in der Partei daran Zweifel wecken mögen.
2. Führerkult oder gewählte Parteiführung: Die NSDAP beruhte auf dem absoluten Führerprinzip. Die AfD hat gewählte Vorsitzende, Parteitage, innerparteiliche Machtkämpfe und abwählbare Vorstände.
3. Parteiarmee oder parlamentarische Partei: Die NSDAP verfügte mit SA und SS über bewaffnete Terrororganisationen. Die AfD hat keine Schlägertruppe, keine Parteiarmee und keinen militärischen Arm.
Streitbarer Hochschulprofessor Holm Putzke aus Passau – Putzke-Dialog auf Facebook über Holocoust-Überlebende Knobloch: „…leider unbelehrbar…“
4. Terror oder politischer Wettbewerb: Die Nationalsozialisten ermordeten Gegner, sprengten Versammlungen und beherrschten die Straße mit Gewalt. Die AfD kämpft mit Wahlen, Anträgen, Demonstrationen und Gerichtsverfahren um Einfluss. Es sind vor allem AfD-Mandatsträger, die von Antifa-Schlägern attackiert und deren Wahlplakate zerstört werden.
5. Antisemitismus als Kernideologie: Der Antisemitismus war das Zentrum der nationalsozialistischen Weltanschauung und führte zur systematischen Vernichtung der europäischen Juden. Er ist nicht einmal ansatzweise das Programm der AfD. Die größte Gefahr für Juden geht heute von (radikalen) Muslimen aus und links-woken Claqueuren.
6. Rassenstaat oder Staatsbürgerordnung: Die NSDAP teilte Menschen nach angeblicher „Rasse“ in Herrenmenschen und Minderwertige ein. Die AfD fordert weder Rassengesetze noch die rechtliche Entrechtung von Menschen nach biologischer Abstammung.
7. Einparteienstaat oder Parteienkonkurrenz: Die NSDAP verbot andere Parteien, zerschlug Gewerkschaften und beseitigte jede Opposition. Die AfD verlangt keinen Einparteienstaat und muss sich weiterhin Wählern, Parlamenten, Gerichten und politischen Gegnern stellen. Es gibt auch keinerlei Anzeichen dafür, dass die AfD das abschaffen will. Man sollte sich eher Sorgen darüber machen, was Wahlausschüsse derzeit anrichten.
8. Eroberungskrieg oder kein Expansionsprogramm: Die NSDAP wollte „Lebensraum“ erobern und bereitete Deutschland gezielt auf Krieg vor. Die AfD verfolgt kein Programm militärischer Expansion und fordert keine gewaltsame Vergrößerung Deutschlands.
9. Abschaffung des Rechtsstaats oder Bindung an ihn: Die NSDAP beseitigte unabhängige Gerichte, Grundrechte und Gewaltenteilung. Eine AfD-Regierung bliebe an Grundgesetz, Gerichte, Föderalismus und parlamentarische Kontrolle gebunden. Da ist auch keine Abschaffung geplant.
10. Vernichtungsprojekt oder radikale Oppositionspolitik: Die NSDAP stand für Diktatur, Weltkrieg und industriellen Massenmord. Die AfD mag in Teilen eine radikale Partei sein – aber keine Organisation mit einem vergleichbaren Vernichtungsprogramm. Und Fakt ist: In einer Demokratie gehören auch Parteien mit radikalen Programmen dazu. Das muss eine Demokratie und das müssen Demokraten aushalten.
Vorwurf: Historische Unterschiede verwischt
Professor Putzke, nach eigener Darstellung auf seiner Passauer Hochschule-Website spezialisiert auf Straf- und Strafprozessrecht, Jugend-, Medizin-, Wirtschafts- und Disziplinarrecht sowie die Strafverteidigung in Theorie und Praxis, beendet seinen fragwürdigen Zehn-Punkte-Plan mit einem Resümee und weiteren Angriff auf Knobloch:
„Das alles macht die AfD nicht harmlos. Völkisches Denken, autoritäre Tendenzen und extremistische Aussagen müssen klar benannt und politisch bekämpft werden. Aber Kritik wird nicht stärker, indem man historische Unterschiede verwischt.“
Streitbarer Hochschulprofessor Holm Putzke aus Passau wirft der ehemaligen Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, Geschichtsverfälschung vor
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