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Wenn ein israelischer Minister das Töten zum Tagesprogramm erklärt – jetzt ist Deutschlands Stimme gefordert

Ein israelischer Minister fordert, in Gaza jeden Tag Dutzende Menschen zu töten. Das ist keine Verteidigungspolitik, sondern die Entmenschlichung von Menschen. Deutschland darf aus historischer Verantwortung nicht schweigen – gerade dann nicht, wenn völkerrechtliche und moralische Grenzen überschritten werden.

Es sind Sätze, bei denen einem die Sprache wegbleiben müsste. Nicht, weil sie missverstanden werden könnten. Sondern weil sie so erschreckend eindeutig sind: Israels Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, forderte, in Gaza jede Nacht „30 oder 40“ Menschen zu töten – ausdrücklich nicht nur solche, von denen gerade eine unmittelbare Gefahr ausgehe. Dazu sprach er Menschen das Recht ab zu leben und nannte sie nicht einmal Menschen. Das ist keine sicherheitspolitische Debatte. Das ist die Sprache der Entmenschlichung.

Man muss präzise bleiben: Ben-Gvir ist nicht der Verteidigungsminister, sondern Minister für Nationale Sicherheit und eine zentrale Figur der rechtsextremen Koalition Netanjahus. Aber das macht seine Worte nicht weniger gefährlich. Im Gegenteil: Wenn ein Mitglied einer Regierung öffentlich ein tägliches Tötungssoll formuliert, dann ist das ein politischer und moralischer Abgrund.

Deutsche Geschichte verpflichtet

Deutschland hat eine besondere Verantwortung gegenüber jüdischem Leben und gegenüber Israel. Diese Verantwortung folgt aus den unfassbaren Verbrechen der deutschen Vergangenheit, aus dem Holocaust, aus der Schuld unserer Väter und Großväter – und aus der Verpflichtung der Nachgeborenen, nicht wegzusehen.

Aber aus dieser Verantwortung folgt kein Blankoscheck für jede israelische Regierung und erst recht nicht für jeden Minister. Wer aus der Geschichte gelernt hat, kann nicht nur dann Empörung zeigen, wenn Juden bedroht, verfolgt oder ermordet werden. Er muss auch dann widersprechen, wenn Palästinenser entrechtet, misshandelt, vertrieben oder pauschal zu Menschen zweiter Klasse erklärt werden.

Nie wieder darf keine Parole mit einer nationalen Einschränkung sein. Nie wieder bedeutet: kein Rassismus, keine kollektive Bestrafung, keine Folter, keine willkürliche Gewalt, keine Sprache, die Menschen zu Tieren oder Nichtmenschen erklärt.

Der moralische Kredit ist aufgebraucht

Ich selbst habe mich in mehreren Beiträgen nach dem Hamas-Überfall im Oktober 2023 klar, aber auch kritisch an die Seite Israels gestellt. 

Hier: Wahre Statements: So ist es um die Solidarität mit Israel und den Juden in Deutschland bestellt

Hier: Das laute Schweigen der Intellektuellen zum Schicksal Israels und der Juden

Oder hier: Ich klage an: Die Barbarei von Hamas und israelischer Regierung muss endlich aufhören

Ich habe Israels Recht auf Selbstverteidigung verteidigt und den Krieg gegen die Hamas als notwendige Reaktion auf einen barbarischen Terrorangriff verstanden.

Daran ändert sich nichts: Hamas hat gemordet, Geiseln genommen und bewusst Angst und Leid verbreitet. Dieser Terror verdient keine Relativierung.

Bindung an das Völkerrecht

Aber Unterstützung für Israel darf niemals Unterstützung für Unmenschlichkeit werden. Der politische und moralische Kredit, der nach dem 7. Oktober 2023 bestand, ist aufgebraucht, wenn Regierungsmitglieder öffentlich tägliche Tötungen von Dutzenden Menschen fordern und wenn völkerrechtliche Grenzen fortgesetzt missachtet werden.

Wer heute widerspricht, verrät Israel nicht. Er verteidigt das, was auch für Israel gelten muss: Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit, Schutz von Zivilisten und die Bindung an das Völkerrecht.

Gaza, Westjordanland, Gefängnisse

Zitat von Deutschlands Ex-Botschafter Steffen Seibert in Israel über Israelis im Westjordanland, Zeit-Magazin, 2026-08-13
Zitat von Deutschlands Ex-Botschafter Steffen Seibert in Israel über die Unterdrückung von Menschen durch
Israelis im Westjordanland, Zeit-Magazin, 2026-08-13

Seit Monaten und Jahren erreichen uns Berichte über die katastrophale Lage im Gazastreifen, über Gewalt und Entrechtung im besetzten Westjordanland sowie über schwere Vorwürfe bezüglich der Behandlung palästinensischer Gefangener. Man kann über politische Wege streiten. Man kann Sicherheit Israels verlangen – und sie ist unverhandelbar. Man kann Terror der Hamas eindeutig verurteilen – und man muss es tun.

Aber man darf nicht so tun, als rechtfertige der Terror einer Organisation die Entmenschlichung eines ganzen Volkes.

Berlin darf nicht schweigen

Die Menschen in Gaza sind nicht Hamas. Kinder sind nicht Hamas. Alte Menschen, Kranke, Mütter, Familien sind nicht Hamas. Und wer in einem Regierungsamt darüber redet, jede Nacht Dutzende Menschen „auszuschalten“, überschreitet eine Grenze, die in einer zivilisierten Welt niemals überschritten werden darf.

Die Bundesregierung muss endlich Klartext reden. Nicht in der vorsichtigen Sprache diplomatischer Fußnoten, nicht mit einem „wir beobachten die Lage mit Sorge“. Sie muss diese Äußerungen klar, öffentlich und unmissverständlich verurteilen.

Deutschland sollte fordern und handeln

  • Die israelische Regierung muss sich eindeutig von Ben-Gvir distanzieren.
  • Die EU sollte sich für gezielte Sanktionen gegen Personen einsetzen, die zu rechtswidriger Gewalt und Entmenschlichung aufrufen.
  • Jegliche militärische, politische und wirtschaftliche Unterstützung sollte an das Völkerrecht und den Schutz der Zivilbevölkerung gebunden sein.
  • Der ungehinderte Zugang humanitärer Hilfe nach Gaza sollte gefordert werden.
  • Gefordert werden sollte die Freilassung aller Geiseln, die ohne Verurteilung Monate und Jahre in israelischen Gefängnissen existieren.
  • Ein Ende der Gewalt gegen Zivilisten auf beiden Seiten sollten gefordert werden.

Auch in Deutschland gibt es inzwischen Forderungen nach EU-Sanktionen gegen Ben-Gvir. Das ist kein Angriff auf Israel. Es ist eine notwendige Reaktion auf einen Minister, der Tötungen und Entmenschlichung öffentlich propagiert.

Freundschaft heißt Widerspruch

Wer Israel wirklich verbunden ist, darf nicht schweigen, wenn seine Regierung oder ihre Minister sich in eine Richtung bewegen, die Frieden, Recht und Menschlichkeit zerstört. Freundschaft ist nicht blinde Gefolgschaft. Freundschaft bedeutet, zu widersprechen, bevor aus Worten noch mehr Gewalt wird.

Deutschland darf seine historische Verantwortung nicht als Ausrede benutzen, um gegenüber Unrecht stumm zu bleiben. Gerade wegen unserer Geschichte müssen wir aufstehen, wenn Menschenwürde mit Füßen getreten wird – unabhängig davon, wer es tut und gegen wen es geschieht.

Die Forderung, Nacht für Nacht 30 oder 40 Menschen zu töten, ist unmenschlich. Sie darf nicht folgenlos bleiben.

ZItat aus der Süddeutschen Zeitung vom 2026-08-19 zur Entwicklung in Israel.
ZItat aus der Süddeutschen Zeitung vom 2026-08-19 zur Entwicklung in Israel.

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Foto Flagge: Symbolbild mit KI Perplexity entwickelt: Die Darstellung richtet sich gegen die Politik der israelischen Regierung und gegen die Forderung nach weiterer Gewalt gegen palästinensische Zivilisten – nicht gegen jüdische Menschen, Israelinnen und Israelis oder das Existenzrecht Israels.

Fotos Screenshots: Jamin

Fotoporträt Jamin: Fyeo

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