Zum Inhalt springen

Oberbürgermeister Keller: Ist der Dichter Peter Handke ein Düsseldorfer Heine-Preisträger – oder nicht?

Im Mai vor 20 Jahren – und in den Monaten danach – erschütterte ein Riesenskandal die literarische Welt: Eine Jury der Stadt Düsseldorf hatte dem Dichter Peter Handke den Heinrich-Heine-Preis und das damit verbundene Preisgeld von 50.000 € zugesprochen.  

Der damalige Oberbürgermeister Joachim Erwin (†) veröffentlichte dazu am 23. Mai 2006 eine Pressemitteilung. Darin enthalten war die knappe Begründung der Jury:  

„Eigensinnig wie Heinrich Heine verfolgt Peter Handke in seinem Werk seinen Weg zu einer offenen Wahrheit. Den poetischen Blick auf die Welt setzt er rücksichtslos gegen die veröffentlichte Meinung und deren Rituale.“

Viele Politiker lehnten Handke ab

Doch viele Politiker in der Stadt hielten den Schriftsteller nicht für würdig. Vor allem die Sympathie des Dichters für den serbischen Kriegsverbrecher Slobodan Milošević kam in der Düsseldorfer Stadtgesellschaft nicht gut an.  

Die Folge war eine bundesweite und teilweise auch in europäischen Medien geführte Diskussion. Das Ergebnis: Zwar sprach sich kein Gremium der Stadt, etwa der Rat, gegen die Preisverleihung an Handke aus. 

Heine-Preis wurde nicht überreicht

Der Heine-Preis wurde dem Dichter jedoch einfach nicht überreicht. Als fadenscheinige Begründung wurde ein Brief Handkes genannt, in dem er angeblich auf den Preis verzichtet hätte – davon war aber mit keinem Wort die Rede.

Ich selbst habe darüber ein polemisch-unterhaltsames Buch veröffentlicht: „Der Handke-Skandal – wie die Debatte um den Heinrich-Heine-Preis unsere Kulturgesellschaft entblößte.“  

Wikipedia dokumentiert Irritation

An Heines Geburtstag, dem 13. Dezember 2006 – an dem Peter Handke der Preis eigentlich in einer großen Zeremonie hätte überreicht werden sollen – stellte ich das Buch der Öffentlichkeit vor.

Seitdem weiß niemand in der literarischen Welt – und auch darüber hinaus –, ob Peter Handke nun Heine-Preisträger ist oder nicht. Auf Wikipedia findet sich jedenfalls folgender Eintrag, an dem ich selbst auch (im harmonischen Streit mit Autoren anderer Meinung) mitgeschrieben habe:

„… Es gibt unterschiedliche Meinungen über die korrekte Auslegung des Briefes von Peter Handke. Aus seinem Schreiben an den Oberbürgermeister geht nicht hervor, dass er den Preis ablehnt; vielmehr beklagt er nur das seiner Meinung nach unmögliche Verhalten („Pöbeleien“) der Düsseldorfer Politiker und bittet darum, auf eine Ratssitzung bzw. Veranstaltung mit diesen zu verzichten. Auch lässt die Satzung des Heine-Preises 2006 weder einen Rücktritt vom Preis noch eine Annullierung der Preisträgerschaft zu. Der offiziellen Proklamation des Oberbürgermeisters, Peter Handke sei Preisträger des Heine-Preises 2006, wurde zu keinem Zeitpunkt vom Stadtrat oder von Ausschüssen der Stadt Düsseldorf widersprochen. Da sich der Rat der Stadt Düsseldorf mit der Sache nicht befasst und keine Entscheidung getroffen hat, wird Peter Handke nach wie vor als Preisträger des Heine-Preises 2006 betrachtet. …“

Peter Handke ist Heine-Preisträger

Ich selbst fand bei meiner Recherche für das Buch heraus, dass Peter Handke auf jeden Fall Preisträger war. Denn die damalige Heine-Satzung der Stadt Düsseldorf – eine Art kleines Gesetz für Literatur, vergleichbar mit der städtischen Müllsatzung für den Abfall der Kommune – schrieb der Jury das alleinige Bestimmungsrecht des Preisträgers zu.  

Möglicherweise hätte der Rat der Stadt Düsseldorf damals diese Heine-Preis-Satzung rückwirkend aufheben und die Jury entmachten können. Doch das trauten sich die Politiker und Parteien in Düsseldorf angesichts einer überwältigend und hitzig geführten Diskussion, vor allem auf den Kulturseiten der Medien, nicht.

„DER SPIEGEL“: „Skandal mit Ansage – eines der bizarrsten Spektakel der letzten Jahre“  

„DIE ZEIT“: „Hitzig geführte Diskussion“  

„RHEINISCHE POST“: „Kulturpolitische Bruchlandung des Jahres“  

„FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG“: „Ein unglaubliches Schauspiel“  

„WELT AM SONNTAG“: „Kultureller Streit, wie ihn Deutschland seit langem nicht erlebt hat“

Heine-Preis verdient endlich Klarheit

Ich finde, dass eine so bedeutende literarische Ehrung wie der Heine-Preis es verdient, dass nach 20 Jahren endlich Klarheit geschaffen wird, ob Handke Heine-Preisträger ist – oder nicht. Immerhin ist mit Heinrich Heine einer der berühmtesten Söhne der Stadt Düsseldorf und einer der bedeutendsten Dichter Europas mit dem Preis verbunden.  

Darum stelle ich in dieser Woche Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller in einer Presseanfrage mehrere Fragen zum Handke-Skandal und zum Heine-Preis. Wie man vernimmt, ist der Dichter Peter Handke inzwischen auch wieder in literarisch-kulturell-politischen Kreisen Düsseldorfs akzeptiert und kein Angstgegner mehr.

Screenshot

Fragen an Oberbürgermeister Keller

1. Ist der Dichter Peter Handke Preisträger des Heine-Preises 2006 – oder nicht?  

2. Sollte die Stadtverwaltung oder der Stadtrat von Düsseldorf nach 20 Jahren nicht eine klare Lösung für diese Frage finden? Bislang hat sich ja noch kein städtisches Gremium, weder Rat der Stadt, noch Kulturausschuss, mit der Frage befasst, ob Peter Handke Heinrich-Heine-Preisträger ist oder nicht.

3. Warum ist die Information über den Heine-Preis auf der Website duesseldorf.de so begrenzt? Dort finden sich nicht einmal die Namen der bisherigen Preisträger*innen, die nicht nur den Preis selbst, sondern auch das Kulturleben in der Landeshauptstadt „schmücken“ würden.  

4. Hat die Stadtverwaltung eventuell wegen der ungeklärten Frage der Preisträgerschaft von Peter Handke auf eine Aufzählung der Preisträger verzichtet?

Exklusiv: Veröffentlichung des Buches

Ich hoffe, dass die Stadtverwaltung in den nächsten Tagen oder Wochen – nach 20 Jahren – endlich Klarheit zu diesen unbeantworteten Fragen schafft.  

Für alle, die sich für das Thema interessieren, veröffentliche ich ab Samstag, dem 23. Mai 2026, um 14 Uhr, exklusiv auf meiner Website jamin.de alle Kapitel meines unterhaltsam-polemischen Sachbuchs „Der Handke-Skandal“. Jede Woche erscheint ein weiteres Kapitel – selbstverständlich ohne Bezahlschranke.

„Der Handke-Skandal“ – ein polemisch-unterhaltsames Buch über einen der größten Literaturskandale Deutschlands

Buch „Handke-Skandal“ zum Sonderpreis

Wer nicht abwarten möchte und alle Kapitel komplett lesen will, hat dazu nur noch begrenzt Gelegenheit: Von dem Buch gibt es noch eine Restauflage. Das Buch kann zum Sonderpreis von 12,60 € inkl. Versand unter folgendem Link beim Magenta-Verlag bestellt werden

#Shortstorys #Düsseldorf #jaminautor #BlogAufEinenCappuccino  #Literatur  #Kurzgeschichten #BookTok #StoryTok #BuchTok #Heinrich-Heine-Preis #PeterHandke #Literaturskandal #Düsseldorf #Kulturpolitik #Literaturdebatte #HeinePreis2006 #Stadtgeschichte #Medienkritik #Kulturstreit

Foto Buchcover: Jamin

Fotoporträt Jamin: Fyeo

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen