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Short Story #10: Wie die Frage einer jungen Frau nach meinem Parfüm mein Leben veränderte

Es gibt Begegnungen, die sind so einmalig, dass man sie als Autor unbedingt beschreiben muss. Heute stand in meinem Lieblingscafé, dem Röstmeister, in meinem Lieblingswohnstadtteil Düsseldorf-Oberkassel eine junge Frau vor mir. Sie schaute mich unschuldig lächelnd an und fragte: Was trägst du für ein Parfüm?

Ich muss gestehen, ich war irritiert und mir fehlten zunächst die Worte. Rieche ich so aufdringlich, fragte ich mich. Doch sie meinte: Ich habe das Parfüm schon öfter hier gerochen. Dieses eine, dieses Parfum benutzte früher auch ein Freund von mir. Und ich denke, es sind so wenige Gäste hier, dass nur du dieses Parfum aufgetragen haben kannst.

Ich habe nie daran gedacht, dass Parfüm eine verbindende Ausstrahlung haben könnte. Das ist doch die weitaus intelligentere, sympathischere Ausgabe der Gesprächsanbahnung von: Sind wir uns nicht schon einmal begegnet?

Cool Water, antwortete ich. 

Dachte ich mir, sagte sie, von welcher Firma ist das?

Davidoff, antwortete ich.

Mit jedem Satz wurde mir diese junge Frau sympathischer. Es war geradezu so, als würde ich einer wahren Freundin begegnen, die meinen Duft schon immer anziehend gefunden hat und sich endlich auch einmal traute, mich dazu zu befragen.

Eine Frage nach meinem Parfüm hat mir in meinem ganzen Leben noch keine Frau gestellt hat. Aber warum eigentlich nicht?! Bis zu diesem Augen-Blick dachte ich, dass ich ein recht unspektakuläres Eau de Toilette benutze, das eigentlich niemand beachtet. Ich selbst rieche diesen Duft kaum, nein, ich roch ihn nicht.

In den Tagen nach dieser Begegnung habe ich mehr auf den Geruch geachtet, den meine Haut und meine Kleidung entfalten. Dabei habe ich festgestellt, dass ein Schal von Karl Lagerfeld den Cool-Water-Duft zwar angenehm abschwächt, aber lange bewahrt.

Ich habe den Schal aus fest gewebter, leichter Wolle griffbereit an der Klinke meiner Wohnungstür hängen, und jedes Mal, wenn ich daran vorbeikomme, erinnert er mich an die Begegnung in meinem Lieblingscafé, in dem es angenehm und so vertraut nach Kaffee duftet.

Ich gehe sehr zurückhaltend mit meinem Cool Water um. Viele Jahre habe ich nur das Eau de Toilette benutzt. Vor einiger Zeit habe ich mir – ich weiß den Grund nicht – das Parfüm dazu gekauft. Damit besprühe ich gelegentlich die Innenfläche meiner Unterarme. Manchmal sprühe ich auch etwas Eau de Toilette auf meinen Schal oder in meine Jacke.

In den Tagen nach der Begegnung las ich einiges über die Kunst des Parfümierens. Über die Möglichkeiten, die Macht der Düfte zu nutzen, um andere zu beeinflussen und zu verführen. Ein raffiniert komponierter Duft kann eine Aura von Eleganz, Sinnlichkeit oder Geheimnis um eine Person schaffen und sie unvergesslich machen.

In Zukunft werde ich das Eau de Toilette oder das Parfum nicht nur öfter, sondern auch bewusster benutzen. Bisher habe ich es vielleicht einmal in der Woche aufgetragen, wenn ich den Flakon im Badezimmer-Schrank zufällig bemerkte. In Zukunft werde ich es täglich auftragen. Vielleicht ist das ja wirklich eine Möglichkeit, Frauen für mich zu begeistern und sie einen Luft- und Duftzug gleich und leicht kennenzulernen.

Ich mag originelle Sprüche jeder Art. Und wenn sie charmant vorgetragen werden, sind sie zur Gesprächseröffnung wirklich eine wahre Freude für einen Autor. Was benutzen Sie für ein Parfum, ist eine Variante, die ich – von Herzen ehrlich – nun wirklich noch nie gehört habe, und ich kann nur jedem empfehlen, der gerne mit jemandem ins Gespräch kommen möchte, dass er das doch mal versucht. 

Die meisten Menschen benutzen vermutlich ein Parfüm oder Eau de Toilette, und man kann mit der ersten Frage ein wunderbares Gespräch verknüpfen über Duftnoten, die man setzt, über einen Duft, der Menschen sympathisch und – vielleicht sogar – begehrenswert macht.

Als ich einer Freundin, mit der ich vor etlichen Jahren eine Fernbeziehung geführt habe, am Abend meiner Parfüm-Begegnung die Geschichte erzählte, ergänzte sie noch meine positiven Eindrücke um entscheidende Varianten.

Sie erinnerte sich ebenfalls an ihre Erfahrungen mit Cool Water von Davidoff. Ihre erste große Liebe benutzte dieses Parfüm. Als wir uns Jahre später begegneten, war ihr mein Geruch sofort so vertraut, dass sich daraus eine Jahre dauernde Beziehung mit mir entwickelte.

Die Freundin zeigte sich an diesem Abend auch sehr optimistisch: Diese junge Frau kann dich gut riechen und über die Düfte seid ihr beide eng verbunden und vermutlich würdet ihr hervorragend zueinanderpassen und euch miteinander verstehen, wenn ihr eine Beziehung eingehen würdet.

Die Düfte der Menschen sind wie unsichtbare Fäden, die uns miteinander verbinden und in ihren Bann ziehen. Ein vertrauter Duft kann Erinnerungen wecken, Emotionen hervorrufen und sogar eine Verbindung zwischen Fremden herstellen.

Der Schriftsteller Patrick Süskind hat ein Buch darüber geschrieben. „Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders“, heißt der Roman. Dem Lebenslauf eines mit genialem Geruchssinn ausgestatteten Parfümeurs folgend, erkundet er die Welt der natürlichen und künstlichen Gerüche, thematisiert deren mögliche Bedeutung in zwischenmenschlichen Beziehungen und beschreibt traditionelle wie unkonventionelle Herstellungsverfahren von Parfum.

Mich hat die Begegnung mit der jungen Frau viel gelehrt. In der Welt der Düfte gibt es unendlich viele Möglichkeiten, die uns verführen, faszinieren und miteinander verbinden können. Die Vielfalt der Düfte spiegelt die Vielfalt der Menschen und ihrer einzigartigen Persönlichkeiten wider, die uns immer wieder aufs Neue in ihren Bann ziehen.

Der Duft eines geliebten Menschen kann Geborgenheit und Zuneigung auslösen, während der Duft eines Fremden uns neugierig und fasziniert macht. Manchmal können Düfte auch Geheimnisse und Mysterien in sich tragen, die uns dazu verleiten, mehr über eine Person herauszufinden.

Ich werde in Zukunft mehr auf meinen Duft achten. Also häufiger Cool Water auflegen. Denn offensichtlich schafft dieser Duft eine Verbindung zum Mitmenschen. Darauf freue ich mich, und wenn Sie mich gut riechen können, sprechen Sie mich ruhig an.

(Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Ereignissen, Personen oder Projekten ist meist zufällig und nur in Einzelfällen so vorgesehen. Die Short Storys sind oft von wahren Ereignissen inspiriert und orientieren sich darüber hinaus an Visionen und in der Zukunft möglichen Entwicklungen in der Gesellschaft. Die Wahrheit befindet sich allerdings manchmal nur einen Schritt entfernt. Oder wie es der Schriftsteller und Journalist Theodor Fontane einst ausgedrückt hat: „Unanfechtbare Wahrheiten gibt es überhaupt nicht, und wenn es welche gibt, so sind sie langweilige.“ )

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Foto Parfüm-Flakons: KI

Fotoporträt Jamin: Jörg Haas http://peoplefactor.de

(Zeitgleich veröffentlicht in meinem Freitags-Blog „Auf einen Cappuccino“ im Wirtschaftsportal Business-on.de)

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