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Erschreckendes Schweigen und keine Unterstützung für Parteifreunde: Bis auf die Grünen zeigen Düsseldorfs Parteien null Interesse am Wahlkampf in Sachsen-Anhalt 

Sachsen-Anhalt brennt – Düsseldorf schweigt. Während im Osten um jede Stimme gegen die AfD gekämpft wird, reicht es fast allen Parteifreunden am Rhein für ein Herzchen, wenn überhaupt. Ich habe nachgeschaut, wer macht – oder wer nur zusieht oder gar bremst.

Den Politikerinnen und Politikern in Düsseldorf geht die Wahl in Sachsen-Anhalt am A…. vorbei! Diesen Eindruck kann man jedenfalls bekommen, wenn man die Reaktionen der Düsseldorfer Parteien auf eine Anfrage von mir betrachtet.

Düsseldorfs Politiker haben nichts zu bieten

Ich hatte bei SPD, CDU, FDP, Die Linke, Die Grünen, Volt, Die Partei, Tierschutz, Freie Wähler und BSW nachgefragt:

Was machen Ihre Partei in Düsseldorf und ihre Mitglieder, um Ihre Parteifreunde in Sachsen-Anhalt gegen die AfD zu unterstützen?

Die Antworten aus den Düsseldorfer Parteizentralen waren sehr ernüchternd: bis auf die Grünen hat keine der angefragten Parteien reagiert. Kein Wunder: Düsseldorfs Politiker*innen haben nichts zu bieten.

Mit Herzchen Wahlkampf machen

Ein Like hier, ein Herzchen da – und das war’s dann auch schon. Während in Sachsen-Anhalt am Wochenende darüber entschieden wird, ob die AfD zum ersten Mal stärkste Kraft in einem deutschen Landesparlament wird und gar den Ministerpräsidenten stellt, herrscht in meiner Lieblingswohnstadt Düsseldorf gepflegte Funkstille. 

Nicht überall, muss man fairerweise sagen. Aber fast überall.

Ich habe mir angeschaut, was Düsseldorfer Mandatsträger und Parteiverbände von Grünen bis CDU, von SPD bis Tierschutzpartei auf Instagram, X oder Facebook tatsächlich für ihre Parteifreunde in Sachsen-Anhalt tun. Das Ergebnis ist ernüchternd, ja schlicht beschämend.

Die Grünen warben um Spenden

Die Grünen in Düsseldorf sind als einzige rechtzeitig aufgewacht. Der Kreisverband hat zweimal auf Instagram für Spenden an die Landtagswahlkämpfer in Sachsen-Anhalt geworben, einmal im Mai, einmal Ende Juli – mit reichlich Resonanz, über 6.800 Likes bei einem der Posts. Ein Artikel auf der Kreisverbandsseite verlinkt direkt zur Spendenseite der sachsen-anhaltinischen Grünen. 

Das ist immerhin etwas. Das ist mehr, als die anderen Parteien in Düsseldorf zusammen auf die Beine gestellt haben.

Keine Beiträge auf Social Media

Aber schauen wir genauer hin, auch bei den Grünen. Sara Nanni, Bundestagsabgeordnete aus Düsseldorf. Mona Neubaur, NRW-Ministerin und Landesvorsitzende. Stefan Engstfeld, Landtagsabgeordneter. Sie alle tauchen im Netzwerk nur als Namen auf, die unter dem Kreisverbandspost getaggt wurden oder ihn geliked haben. 

Kein einziger eigener Beitrag, keine eigene Kampagne, kein Video, in dem sie ihre Parteifreunde in Magdeburg, Halle oder Dessau unterstützen. Wer mit dieser Reichweite schweigt, verschenkt Wirkung, die andere sich wünschen würden.

40 Grüne nach Magdeburg und Halle

Bernadette Niehaus, die Politische Geschäftsführerin Bündnis90/DIE GRÜNEN KV Düsseldorf, hat aber trotzdem gute Nachrichten – im Gegensatz zu allen anderen Düsseldorfer Parteien. Sie schreibt mir:

„In diesem Jahr waren bzw. werden wir als Kreisverband Düsseldorf zusammen mit weiteren Kreisverbänden des Bezirks Niederrhein-Wupper an 2 Wochenenden vor Ort in Sachsen-Anhalt sein. Wir helfen bei Wahlständen, Events, beim Flyer-Verteilen, Haustürwahlkampf, Plakatieren, Radtouren, Familienfesten und bei weiteren Aktionen.

Vom 20. – 23. August 2026 waren wir in Magdeburg, vom 03. – 06. September 2026 werden wir in Halle sein. Angemeldet haben sich bei uns für diese Besuche ca. 40 Mitglieder der GRÜNEN des Kreisverbandes Düsseldorf und des Bezirkes Niederrhein-Wupper. Weitere Besuche organisieren unsere Mitglieder teilweise selber oder über unseren GRÜNEN Bundesverband.“

Das große Schweigen der anderen Parteien

Bei CDU und SPD ist die Lage klarer – echt trostlos. Ich habe die Social-Media-Profile und Pressebereiche u.a. von Oberbürgermeister Stephan Keller, von Thomas Jarzombek, der als CDU-Kreisvorsitzender in Düsseldorf sogar im Bundesvorstand seiner Partei sitzt, sowie von den Ratsfraktionen der Parteien durchsucht. Ergebnis: nichts. 

Keine einzige Erwähnung von Sachsen-Anhalt. Kein Aufruf, kein Teilen, keine Solidaritätsbekundung. Die Bundes-CDU mobilisiert 350.000 Mitglieder bundesweit für den Wahlkampf gegen die AfD, die SPD schickt ihren Generalsekretär persönlich durch sachsen-anhaltinische Kleinstädte. Und Düsseldorf? Schweigt. So, als ginge einen dieser Wahlkampf schlicht nichts an.

Düsseldorfer haben Lage nicht kapiert

Das ist bequem, aber es ist falsch. Wer glaubt, Sachsen-Anhalt sei ein ostdeutsches Problem, das man von Düsseldorf aus bedauern, aber nicht mitgestalten muss, hat die Lage nicht verstanden. Es geht dort nicht um eine beliebige Landtagswahl. Es geht darum, ob die demokratische Mitte in einem Bundesland noch eine Mehrheit organisieren kann oder ob die Brandmauer endgültig zur Ruine wird. 

Wer das für ein rein sachsen-anhaltinisches Problem hält, hat entweder nicht aufgepasst oder will es sich nicht eingestehen. Was dort passiert, ist ein Test für die ganze Republik. Und Düsseldorf, mit seinen prominenten Mandatsträgern, seiner Reichweite, seinen Ressourcen, hält sich fein raus.

Man kann das Desinteresse der Parteien in Düsseldorf an der Wahl in Sachsen-Anhalt fast schon System nennen. Solange der eigene Wahlkreis, die eigene Ratsfraktion, das eigene Rathaus im Fokus stehen, bleibt für die Parteifreunde in einem anderen Bundesland offenbar kein Post, kein Reel, keine Story übrig. Dabei kostet ein geteilter Beitrag nichts außer der Bereitschaft, kurz über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen.
Düsseldorfer Landtagsabgeordnete Angela Erwin schießt in einer neuen PR-Kampagne auf Facebook auch gerne gegen die eigenen Parteikollegen in Berlin und die Bundesregierung. Unterstützung für Parteifreunde in Sachsen-Anhalt gleich Null. Solange der eigene Wahlkreis, die eigene Ratsfraktion, das eigene Rathaus im Fokus stehen, bleibt für die Parteifreunde in einem anderen Bundesland offenbar kein Post, kein Reel, keine Story übrig. Dabei kostet ein geteilter Beitrag nichts außer der Bereitschaft, kurz über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen.

Angela Erwin kritisiert die Bundesregierung

Manche Politikerin, mancher Politiker macht genau das Gegenteil von Unterstützung. Die Düsseldorfer CDU-Landtagsabgeordnete Angela Erwin schießt jüngst sogar in einem Facebook-Post gegen die eigene Bundesregierung und Parteifreunde in Berlin. 

Statt Einheit zu zeigen, mäkelt sie vor einigen Tagen auch noch von unten nach oben und verunsichert so auf Social Media potentielle Wähler in Sachsen-Anhalt. Die Landtagsabgeordnete Erwin wähnt sich im falschen Staat:

„Deutschland braucht keine höheren Steuern. Deutschland braucht weniger Staat.“

Man kann das Desinteresse der Parteien in Düsseldorf an der Wahl in Sachsen-Anhalt fast schon System nennen. Solange der eigene Wahlkreis, die eigene Ratsfraktion, das eigene Rathaus im Fokus stehen, bleibt für die Parteifreunde in einem anderen Bundesland offenbar kein Post, kein Reel, keine Story übrig. Dabei kostet ein geteilter Beitrag nichts außer der Bereitschaft, kurz über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen.
Lieber im Ausland lernen statt in Sachsen-Anhalt die Parteifreunde unterstützen: Man kann das Desinteresse der Parteien in Düsseldorf an der Wahl in Sachsen-Anhalt fast schon System nennen. Düsseldorfs CDU-Bundestagsabgeordneter Thomas Jarzombek reiste lieber zu Start-ups nach Amsterdam statt die Parteifreunde in Sachsen-Anhalt gegen die AfD zu unterstützen. Dabei hätte er als Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales dazu etliche Gelegenheiten gehabt.

CDU-Jarzombek sucht Impulse in Amsterdam

Der Bundestagsabgeordnete und Düsseldorfer CDU-Politiker, Thomas Jarzombek, machte vor wenigen Tagen gar eine Start-up-Tour durch Amsterdam – als hätte Deutschland sowas nicht zu bieten.

Stolz postete er auf Facebook: „Ich habe mich mit Invest NL, der Startup Unit der Stadt Amsterdam und Constantijn van Oranje von Techleap ausgetauscht. 🚀 Ich habe zahlreiche Unternehmen sowie junge Gründerinnen und Gründer getroffen und gute Einblicke in das niederländische Start-up-Ökosystem bekommen. Mein Fazit: Eine gute Gelegenheit, voneinander zu lernen und neue Impulse für Deutschland mitzunehmen! 🇳🇱🤝🇩🇪“ 

Es wäre besser gewesen, Jarzombek, auch Staatssekretär im Digital Ministerium, hätte die Startups in Sachsen-Anhalt besucht.

Alle sehen nur den eigenen Kirchturm

Man kann das Desinteresse an der Wahl in Sachsen-Anhalt fast schon System nennen. Solange der eigene Wahlkreis, die eigene Ratsfraktion, das eigene Rathaus im Fokus stehen, bleibt für die Parteifreunde in einem anderen Bundesland offenbar kein Post, kein Reel, keine Story übrig. Dabei kostet ein geteilter Beitrag nichts außer der Bereitschaft, kurz über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen.

Was kann Düsseldorfs Politik jetzt noch tun?

Den Grünen in Düsseldorf war – so Bernadette Niehaus – „klar, dass diese Wahl richtungsweisend sein wird. Dementsprechend groß ist bei uns das Interesse, sich aktiv daran zu beteiligen. Der Besuch in Magdeburg war ermutigend. Wir trafen viele Leute, die offen und sehr freundlich waren und hoffen, einen Beitrag zu einem spürbaren Erfolg für die Demokratie geleistet zu haben“.

Was also könnten die anderen Düsseldorfer Parteien, ihre Orts- und Kreisverbände und ihre Mandatsträger – u.a. auch noch in den letzten Stunden vor der Wahl am kommenden Sonntag – tun?

  • Sichtbar werden. Ein Repost, ein eigenes Statement, ein kurzes Video reichen oft schon, um Reichweite von Düsseldorf nach Sachsen-Anhalt zu verschieben. Wer wie Jarzombek, Keller, Martens oder Nanni tausende Follower hat, trägt eine Verantwortung, die über die eigene Stadtgrenze hinausgeht.
  • Konkret werden statt symbolisch bleiben. Ein Spendenaufruf wie der der Grünen ist ein Anfang, aber kein Ersatz für echte Wahlkampfhilfe wie bei den Grünen. Wahlkreisbüros könnten Fahrten organisieren, Materialien bereitstellen, Rednerinnen und Redner nach Sachsen-Anhalt schicken. Was die Grüne Jugend im umgekehrten Fall vorgemacht hat, als Aktivisten aus Sachsen-Anhalt nach Düsseldorf kamen, um im Kommunalwahlkampf zu helfen, funktioniert auch andersherum.
  • Strukturen schaffen statt auf Zufall hoffen. Andere Kreisverbände haben feste Partnerschaften mit Verbänden in Sachsen-Anhalt aufgebaut. Düsseldorf hat so etwas nicht. Es wäre an der Zeit, das zu ändern, und zwar nicht erst, wenn der nächste Wahlkampf schon wieder vorbei ist.
  • Aufhören, sich hinter der Bundespartei zu verstecken. Dass Bundespolitiker durch die Provinz touren, entbindet die Düsseldorfer Kreisverbände nicht von der Pflicht, selbst aktiv zu werden. Bundesweite Kampagnen ersetzen keine lokale Solidarität.

Schweigen ist die schlechteste Wahl

Sachsen-Anhalt wählt am Wochenende. Die Zeit, aus Zuschauern Unterstützer zu machen, ist mehr als knapp. Wer als Mandatsträger oder Kreisverband jetzt noch schweigt, sollte sich hinterher nicht wundern, wenn er gefragt wird, wo er eigentlich war, als es darauf ankam.

Man kann das Desinteresse der Parteien in Düsseldorf an der Wahl in Sachsen-Anhalt fast schon System nennen. Solange der eigene Wahlkreis, die eigene Ratsfraktion, das eigene Rathaus im Fokus stehen, bleibt für die Parteifreunde in einem anderen Bundesland offenbar kein Post, kein Reel, keine Story übrig. Dabei kostet ein geteilter Beitrag nichts außer der Bereitschaft, kurz über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen.
Für die demokratischen Parteien in Sachsen-Anhalt geht es um alles – für die Parteien in Düsseldorf
geht es, gemessen an der Unterstützung für die Parteifreunde im Osten, offenbar um nichts. Nur Düsseldorfs Grüne haben Flagge gezeigt.

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