Heute Morgen las ich auf Facebook die Geschichte einer Frau, die von München nach Hamburg geflogen war und kurz vor dem Abflug von dem Terroranschlag in der israelischen Maschine gelesen hatte – und das blieb nicht ohne Folgen.
Mich interessierte dieser Terroranschlag weniger. Dafür der Aspekt vom Fliegen, der Zukunft unserer Natur und dem Terrorismus umso mehr.
Zugfahren aus Routine
Seit ich mich vor etlichen Jahren dazu entschlossen habe, genauer auf den Klimaschutz zu achten, fallen mir solche Dinge auf. Muss man von München nach Hamburg fliegen?
Für mich ist es heute Routine geworden, etwa von meiner Lieblingswohnstadt Düsseldorf aus nach Hamburg oder Leipzig oder München mit dem Zug zu fahren. Ich denke gar nicht darüber nach ein Flugzeug zu nehmen.
Besser klimabewusst leben
Schon vor etlichen Jahren habe ich mich entschlossen, klimabewusster zu leben. Veränderungen in der Wohnung etwa beim Stromverbrauch gehörten dazu. Ich habe mein Auto verkauft, weil es die meiste Zeit nur auf seinem Parkplatz stand und ich die Vorteile von CarSharing getestet hatte.

Ich beschloss, so wenig wie möglich zu fliegen und so häufig wie möglich, Bus und Bahnen zu benutzen. Das alles hat mir nicht geschadet. Vielmehr hat es mir ein gutes Gefühl verschafft und nebenbei auch noch ein wenig dem Klima geholfen.
Zeitaufwand fürs Fliegen
In diesem Jahr bin ich nur einmal in Urlaub gefahren. Eine Woche mit einem gemieteten Wohnmobil von Holland in den Osten Deutschlands und zurück nach Nordrhein-Westfalen. Rund 1400 km Dieselverbrauch. Ein wenig schlechtes Gewissen hatte ich. Aber zugegeben kein sehr Großes.
Die Entfernungen von Düsseldorf nach Leipzig und von München nach Hamburg sind ähnlich – etwa 5,5 bis 6 Stunden Fahrzeit mit dem Zug. Die Flugzeit dürfte etwa die Hälfte betragen, einschließlich der An- und Abreise zum Flughafen.
Welche Vorteile hat nun das Reisen mit dem Zug gegenüber dem Flugzeug unter dem Aspekt des Klimaschutz wie auch unter dem des persönlichen Wohlbefindens?
Günstiger Flugpreis verführt
Ich gebe es zu: Auch ich habe mich früher gern von günstigen Flugpreisen verführen lassen. Schnell rein, schnell raus, eine Stunde in der Luft, fertig. Wer sich aber die Fakten ansieht, beginnt nachzudenken. Zug oder Flug? Die Zahlen sprechen eine klare Sprache.
Ein Flug ist rund zehnmal klimaschädlicher als eine vergleichbare Zugfahrt. Eine Schweizer Beispielrechnung macht das greifbar: Hin und zurück verursacht die Bahn 7,4 Kilogramm CO₂ pro Person, das Flugzeug 227 Kilogramm . Von Gießen nach Brüssel sind es mit dem Zug etwa 2 Kilogramm, mit dem Flugzeug 111 . Solche Unterschiede lassen sich nicht mehr kleinreden.
Bahn ist echte Alternative
Und die Zeit? Bis etwa 400 Kilometer Luftlinie ist der Zug meist sogar schneller, weil Anfahrt, Sicherheitskontrolle und Warterei am Flughafen wegfallen. Bis zu acht oder neun Stunden Fahrt gilt die Bahn als echte Alternative. Von Düsseldorf aus erreicht man so Brüssel, Paris, Amsterdam und sogar London.
Dazu kommt etwas, das in keiner Klimabilanz auftaucht: mein eigenes Wohlbefinden. Im Zug habe ich mehr Platz, kann aufstehen, lesen, schreiben oder einfach aus dem Fenster schauen . Ich muss nicht Stunden vorher da sein, und niemand wiegt mein Gepäck . Am Ende steige ich mitten in der Stadt aus und nicht irgendwo vor ihren Toren wie beispielsweise in München.
Zu häufig umsteigen
Natürlich hat die Schiene auch Nachteile. Nur rund zwei Drittel der Verbindungen kommen ohne Umstieg aus. Auf etwa der Hälfte der europäischen Strecken ist der Flug sogar billiger, nach Ansicht von Greenpeace auch wegen der Subventionen für Kerosin. Und dann ist natürlich noch die Frage der Pünktlichkeit.
Mein Fazit fällt trotzdem eindeutig aus: Wer kann, sollte den Zug nehmen. Dem Klima zuliebe und sich selbst zuliebe.
Zerstörung der Natur
Ich frage mich aber auch: Ist nicht die Zerstörung der Natur durch Klimaverschmutzung von Flugzeugen auch Terrorismus?
Wie viele Menschen sterben durch den Klimawandel? Wie viele Menschen könnten gerettet werden, wenn wir alle ein wenig mehr den Klimawandel berücksichtigen und uns mehr im Alltag mit dem Klimaschutz befassen würden?
Terrorist durch Fliegen?
Dabei ertappe ich mich jetzt bei einem Gedanken: Ist überflüssiges Fliegen (statt Zugfahren) eine neue Form des Terrorismus gegen die Natur und die Zukunft der Menschen?
Der Satz klingt gut, fast zu gut. Und wie so oft sind es gerade die Sätze, die zu gut klingen, die nicht stimmen.
Terror heißt Gewalt, Einschüchterung und Angst. Wer für ein Wochenende nach Mallorca fliegt, will niemandem etwas Böses. Außerdem kennen wir dieses Spiel mit Worten schon. 2022 wurde „Klimaterroristen“ zum Unwort des Jahres gewählt, weil der Begriff Menschen diffamiert und echten Terror verharmlost. Ich möchte diesen Fehler nicht einfach mit umgekehrtem Vorzeichen wiederholen.
Fliegen ist nicht harmlos
Harmlos ist das Fliegen deshalb noch lange nicht. Der Luftverkehr ist für rund 3,5 Prozent der bisherigen menschengemachten Erderwärmung verantwortlich. Zwei Drittel davon gehen nicht auf CO₂ zurück, sondern auf Kondensstreifen und andere Effekte in großer Höhe. Noch nachdenklicher macht mich eine andere Zahl: Rund ein Prozent der Weltbevölkerung verursacht etwa die Hälfte der CO₂-Emissionen der Zivilluftfahrt .
Bleiben wir bei Mallorca, der Lieblingsinsel vor unserer Haustür. 2025 flogen allein von den Flughäfen in NRW 1,6 Millionen Passagiere nach Palma. Kein anderes Ziel war bei uns beliebter. Insgesamt fertigte der Flughafen Palma 2025 rund 33,8 Millionen Fluggäste ab, darunter 9,84 Millionen aus Deutschland.
Mit dem Zug nach Mallorca
Nach Berechnungen von Atmosfair hat ein Hin- und Rückflug von Düsseldorf nach Mallorca die Klimawirkung von durchschnittlich 680 Kilogramm CO₂ pro Person. Das lässt etwa zwei Quadratmeter Arktiseis verschwinden. Zum Vergleich: Die Hin- und Rückfahrt mit dem Zug in die Schweiz, die ich zuletzt beschrieben habe, kam auf 7,4 Kilogramm.
Es ginge auch anders: mit dem Zug über Paris nach Barcelona und von dort mit der Nachtfähre nach Palma. Das dauert rund 14 Stunden im Zug und etwa 8 Stunden auf dem Schiff. Es ist mindestens doppelt so teuer, verursacht aber etwa die Hälfte an CO₂. Das ist nichts für einen spontanen Wochenendtrip. Aber genau das der Punkt: Nicht jede Reise muss schnell und billig sein. Manche dürfen wieder zu einer echten Reise werden. Echtes Abenteuer also.
Eine Frage der Gerechtigkeit
Damit verschiebt sich die Frage zum Terrorismus des Fliegens. Es geht weniger um Schuld als um Gerechtigkeit. Wenige genießen den Nutzen, alle tragen die Folgen, und am stärksten diejenigen, die noch gar nicht geboren sind.
Nein, Terroristen sind wir nicht. Aber wir sind ein bisschen wie Gäste, die gut gegessen haben und dann gehen, ohne zu bezahlen. Die Rechnung landet bei unseren Enkeln.
Ich nehme deshalb öfter den Zug.
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Foto und Screenshots: Jamin
Fotoporträt Jamin: Fyeo
Quellen
Zug oder Flug? – ETH Zürich https://ethz.ch/content/dam/ethz/associates/services/organisation/Schulleitung/mobilitaetsplattform/Artikel/via_04_2021_d_042-043_mobilitaet.pdf
Zugreise versus Flugreise: Preisvergleich und Umweltaspekte https://www.greenpeace.de/klimaschutz/mobilitaet/preisvergleich-zugreise-versus-flugreise
Zug statt Flug — Stabsabteilungen – Justus-Liebig-Universität Gießen https://www.uni-giessen.de/de/org/admin/stab/bfn/ressourcensparen/dienstreisen/beitrag/zug-statt-flug
Komfort und Erlebnis: Zug vs… https://www.flightright.de/blog/zugreise-oder-flugreise
Städte-Kurztrips in Europa mit Flug und Bahn: Reisen mit dem Zug … https://presse.adac.de/meldungen/adac-ev/tests/staedte-kurztrips-in-europa-mit-flug-und-bahn.html
Zug oder Flug – der grosse Vergleich – Energie-Experten https://www.energie-experten.ch/de/mobilitaet/detail/zug-oder-flug-der-grosse-vergleich.html
Greenpeace-Kostenvergleich: Flug schlägt Zug – VISION mobility https://vision-mobility.de/news/greenpeace-kostenvergleich-flug-schlaegt-zug-wegen-fossiler-subventionen-269709.html
Urlaub mit dem Zug: 5 Gründe für Zugreisen – FairAway https://fairaway.de/grunde-fur-urlaube-mit-dem-zug

