Mit 13 gegen Falten kämpfen, die es noch gar nicht gibt? Die Schönheitsindustrie verkauft nicht nur Cremes. Sie verkauft das Gefühl, ohne sie nicht gut genug zu sein. Über ein Milliardengeschäft mit der Unsicherheit von Mädchen und Frauen.
Heute lese ich in der Süddeutschen Zeitung eine Geschichte, die mich beschäftigt. Ihr Titel: „Warum benutzt ihr mit 13 Anti-Aging-Creme?“ Dreizehn. Ein Alter, in dem das Leben gerade erst beginnt – und die Haut offenbar schon gegen das Älterwerden verteidigt werden muß.
Ich frage mich: Warum benutzen Mädchen und Frauen überhaupt so viel Make-up, so viele Cremes, Seren und Pasten? Nicht, weil ich ihnen vorschreiben möchte, wie sie auszusehen haben. Sondern weil ich wissen möchte, wer ihnen eingeredet hat, dass ihr Gesicht ohne diese Produkte nicht genügt.
Creme am Hemdkragen
In meiner Jugend stellte ich nach stürmischen Rendezvous häufig fest, dass vor allem meine Hemdkragen am nächsten Morgen deutliche Spuren von Make-up trugen. Die damaligen Produkte waren offenbar weniger abriebfest. Heute mag manches besser haften.
Die Frage, warum überhaupt so viel Make-up aufgetragen werden muss, bleibt. Nach meinen persönlichen, durchaus vielfältigen Erfahrungen haben oft jene Frauen die schönste Haut, die möglichst wenig damit anstellen. Das ist eine sehr persönliche Beobachtung, keine dermatologische Studie. Trotzdem bleiben meine Bedenken: Zu viel Kosmetik zerstört die Haut.
Nur Wasser ins Gesicht
Ich selbst wasche mein Gesicht mit Wasser. Keine Creme, nicht einmal Seife. Für mich funktioniert das. Daraus folgt allerdings nicht, dass es für jeden Menschen die richtige Pflege ist.

Vor vielen Jahren hatte ich einen Kollegen, der mit Begeisterung Männercremes benutzte. Auf seinem Gesicht lag häufig ein leichter grauer, im Sonnenlicht glänzender Schleier. Mir gefiel das nicht. Ob die Produkte seiner Haut schadeten, konnte ich daran nicht erkennen.
Große Poren mit Creme
Ebenso wenig möchte ich hier seriös behaupten, langjähriges Eincremen mache zwangsläufig große Poren oder ruiniere die Haut. Ich habe allerdings schon öfter den Eindruck gehabt, dass genau das ein Ergebnis von langjährigen Make-up-Routinen ist.
Meine Kritik an der Schönheitsindustrie braucht solche Behauptungen nicht. Ihr Geschäftsmodell liefert genug Stoff: Aus einer normalen Haut wird eine Ansammlung vermeintlicher Mängel. Hier eine Falte, dort ein Glanz, da eine Pore – oder gar ein Pickelchen. Für alles gibt es ein Produkt. Und möglichst noch eines, das davor oder danach aufgetragen werden soll.
Fragwürdige Schönheitspflicht
Aus Pflege wird eine Schönheitspflicht. Besonders fragwürdig wird das, wenn schon Dreizehnjährige glauben, sie müssten die Spuren eines Lebens bekämpfen, das sie noch gar nicht gelebt haben.
Wer als Influencerin oder Influencer fortwährend Produkte empfiehlt und daran verdient, betreibt nicht bloß freundliche Beratung, sondern auch Verkauf. Man darf solchen Kanälen die Aufmerksamkeit entziehen.
So wird die Haut gereizt
Dermatologisch ist die Sache nüchterner: Eine einfache, bedarfsgerechte Routine genügt häufig. Viele verschiedene Produkte können die Haut zusätzlich reizen; teuer müssen wirksame Produkte nicht sein. Bei gesunder, ungeschminkter Haut kann morgens lauwarmes Wasser reichen.
Trockene Haut kann dagegen von einer Feuchtigkeitscreme profitieren, und Sonnenschutz erfüllt einen gesundheitlichen Zweck. Nicht jede Creme ist Unsinn. Aber nicht jedes Gesicht ist eine Baustelle. Und ein dreizehnjähriges schon gar nicht.

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